Arndt Dibi
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Data Binding - A Better Way to Implement Data Binding in .NET
Nur Deutschlands Bundes-Politiker reisen klimaneutral
Bild rechts: Bildquelle: UBA Homepage [3]
Zu diesen modernen Menschen gehören selbstverständlich unsere Politiker. Denn wo man Vorbild sein muss, steht diese Spezies immer ganz vorne an der Front.
Nun, wirklich schwer fällt das nicht, denn bezahlen muss es ja der Bürger – aber das mit dem Vorbild bleibt. Damit bei so viel Vorbild aber nicht etwa trotzdem so etwas Nervendes wie Arbeit hängen bleibt, gibt es natürlich eine Behörde, welche dafür sorgt, dass auch das niemals passieren kann.
Und so ist das Umwelt-Bundesamt dafür da, sicher zu stellen, dass unsere Berliner Politiker durch Ihre Reisen auf gar keinen Fall das Klima schädigen und selbstverständlich auch zur Abwicklung dafür:
[3] Umweltbundesamt: Bundesregierung kompensiert alle Treibhausgasemissionen ihrer Dienstreisen
Sie wird dazu für das Jahr 2014 Emissionsgutschriften in Höhe von 138.038 Tonnen Kohlendioxid aus hochwertig internationalen Klimaschutzprojekten im Rahmen des Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism, kurz CDM) erwerben und anschließend löschen. Das Umweltbundesamt (UBA) bereitet den Ankauf vor – und ruft nationale und internationale Anbieter dazu auf, Gutschriften aus CDM-Projekten anzubieten. „Das Umweltbundesamt wird bei der Projektauswahl streng auf die Qualität der für die Kompensation angebotenen Projekte achten und solche Projekte bevorzugen, die positive neue Entwicklungen im CDM unterstützen. Dazu gehören programmatische Projekte, die die nachhaltige Entwicklung eines Landes fördern oder solche aus den am wenigsten entwickelten Ländern“, so UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.
Nichts wird dabei dem Zufall überlassen. Ganz genau wird alles berechnet, erfasst und kontrolliert. Was wäre ein Nutzen auch wert, den man nicht genauestens ermittelt und berechnet hätte. Schließlich muss man auch beim Retten des Klimas jeden Cent ganz genau umdrehen.
Aufgabe der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt
Wir unterstützen die Bundesregierung, in dem wir die Emissionen berechnen, hochwertige Klimaschutzprojekte auswählen und CDM-Zertifikate (so genannte zertifizierte Emissionsminderungen, kurz CER) beschaffen und löschen.
Die Kompensation der Dienstreise-Treibhausgasemissionen der Bundesregierung setzt ein wichtiges klimapolitisches Zeichen und schafft positive Anreize. So sollen private Akteure in ihrer Entscheidung zur Kompensation von nicht vermeidbaren Emissionen durch dieses Vorbild gestärkt werden.
Datenerhebung und -auswertung sowie Emissionsberechnung
Die Maßnahme der Kompensation bezieht sich auf Pkw-Fahrten und Flugreisen. Bahnfahrten müssen nicht kompensiert werden, weil der Bund für den Personennah- und -fernverkehr „Grüne Fahrkarten“ erwirbt. Der Strombedarf für diese Fahrten wird vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt - diese Dienstreisen sind also bereits klimaneutral.
Jeder Bürger achte deshalb am besten darauf, dass bei einer Zugfahrt ein deutscher Politiker aus Berlin im Zug mit drin sitzt (dazu die dringende Bitte an die Bahn, eine App dafür bereit zu stellen). Dann kann er sicher sein, dass die Bahn genau zu diesem Zug grünen Strom lenkt und vielleicht fällt davon auch etwas für seinen Reiseanteil ab und entlastet etwas sein eigenes, negatives Klima-Footprint.
Man soll auch über solche Maßnahmen niemals lächeln. Für das Jahr 2014 (neuere Zahlen liegen scheinbar noch nicht vor) wurden präzise ermittelte 138.038 Tonnen Treibhausgas-Äquivalente „Verdienst-gereist“ und damit kompensiert. Das Zertifikat für ein Tonnenäquivalent CO2 kostet aktuell ungefähr 5 EUR[1], womit die Nettokosten 690.190 EUR betragen. Nicht unwahrscheinlich ist, das der erforderliche Verwaltungs-, Datenermittlungs-, DV-Bereitstellungs- und Projektaufwand ähnliche Größenordnungen erreicht - die künftigen Pensionsansprüche nicht eingerechnet.
Nach der Forcingtabelle:
hätten die Bonner Politiker ohne die Kompensation das Weltklima um mindestens die folgenden Temperaturerhöhungen geschädigt:
0,000000138 °C pa nach IPCC-Forcing,
0,000000046 °C pa nach dem wahrscheinlicheren, wirklichen Forcing
Zur Rettung des Weltklimas um nicht messbare 0,2 Grad Temperaturdifferenz betragen die Kosten auf diesem Weg
1.449,275 Milliarden EUR (nach IPCC-Forcing). Ausgewiesene 300 Experten haben deshalb einmal beim PIK in Potsdam darüber diskutiert und sind wieder zu dem Schluss gekommen: Vermeiden ist billiger als Anpassen.
[6] Grundsätzlich seien die Anpassungsmöglichkeiten aber sehr limitiert. „Insofern ist die Eingrenzung des Klimawandels so wichtig.“
Die kürzlich Starkregen-Geschädigten durften das erfahren. Man stelle sich vor, der gebrochene Damm im historisch regelmäßig überfluteten Ort Simbach hätte besser gebaut Stand gehalten[7] und die Wetter-Gefahrenmeldungen in Verbindung mit den Notfall-Einsatzplänen hätten besser funktioniert. So etwas ist im Technologieland Deutschland leider „limitiert“ und Geld der klammen Kommunen kostet es obendrein. Schließlich müssen die schon die überall eingestellten, wichtigen Klimaschutzmanagement-Manager bezahlen. Bestimmt war es da zielführender, in Simbach den CO2-Vermeidungs „„Climate-Stars“ über ein Geothermieprojekt zu erkämpfen um das Klima in 1000 Jahren nicht zu gefährden.
Unter diesen Gesichtspunkten scheinen die Ausgaben für das Jahr 2014 von geschätzten 1 Mio EUR pa bestimmt gut angelegt. Und weil es so außerordentlich erfolgreich ist, werden dafür demnächst wohl 2 Mio EUR pa bereitgestellt [4].
Es ist deshalb schon sehr verwunderlich, warum dieses Klimarettungs-Effizienzprogramm nicht schon längst auf Landes- und Kommunalebene für alle Politiker heruntergebrochen wurde.
Man stelle sich vor, ein Politiker des Bundes und einer der Landesebene reisen gemeinsam. Der Eine rettet damit gleichzeitig die Welt und der Andere zerstört sie. Wie kann der Beamtenbund eine solch himmelschreiende Ungleichheit dulden? Fragen, welche Deutschlands Politik nicht in Ruhe lassen darf.
Zum großen Glück für das Klima ist es nicht nur dem Autor aufgefallen.
Auch die FDP in Niedersachsen hat das Problem erkannt und dazu eine parlamentarische Anfrage gestellt:
[4] Niedersächsischer Landtag, Drucksache 17/4996, Antrag der FDP: Wann reist die Landesregierung klimaneutral?
Die gestellten Fragen zeigen, dass nur Politiker die wirklichen Probleme der Welt ahnen können, was dem normalen Bürger verwehrt bleibt. Und sie zeigen, mit welcher Akribie und Tiefsinnigkeit das dazu erforderliche Wissen buchstäblich immer neu erkämpft wird. Welcher Bürger hat schon die Möglichkeit, das in den Antworten sichtbare, geballte Wissenspotential einer Landesbehörde in solcher Ausführlichkeit zu erhalten. Dagegen sind EIKE, kaltesonne und die anderen Infoportale nur „kalter Kaffee“ und auch viel zu (un-)wissenschaftlich.
Auf jeden Fall zeugen sie von den ehrlichen Sorgen einer Partei, die erkannt hat, was in Deutschland wirklich mangeln könnte und einer dringenden, parlamentarischen Bearbeitung bedarf.
Frage Nr. 10 belegt zudem, dass die FDP eine bissige Partei ist, welche sich auch traut, an Grundfesten der Politik zu rütteln – allerdings nur auf Landesebene und in Anfragen und in der Opposition. Als die FDP noch im Bundestag saß, war sie eine erklärte Befürworterin der CO2-KLimatheorie.
[5] Der Streit, inwiefern CO²-Ausstoß und Klimawandel miteinander korrelieren, ist uns bekannt. Wenn man einen breiten Querschnitt der wissenschaftlichen Analysen nimmt, kommen die meisten Betrachter zum Ergebnis, dass diese Korrelation mehr als wahrscheinlich ist. So auch eine breite Mehrheit an FDP-Abgeordneten im Bundestag.
Doch nun für die EIKE-Leser endlich die Fragen der FDP welche das Klima bewegen (Auszug):
[4] Drucksache 17/4996, Antrag der FDP: Wann reist die Landesregierung klimaneutral?
2. Wird die Landesregierung diesem Beispiel (Anm.: des Bundes) folgen, und, falls ja, wie viel Geld soll dafür zur Verfügung gestellt werden?
Die Landesregierung hat ein Gutachten zur Vermeidung von Treibhausgasen in der Landesverwaltung vergeben, auf dessen Grundlage weitere Maßnahmen entwickelt werden.
4. Welche konkreten Effekte für das Weltklima haben die niedersächsischen Klimamaßnahmen?
Der Primärenergieverbrauch in Niedersachsen geht seit 1996 in der Tendenz zurück (siehe Tabelle 10, Nds. Energie- und CO2-Bilanzen 2012 vom 20.10.2015).
6. Um wie viele Meter wird der Meeresspiegel durch Klimaschutzmaßnahmen in Niedersachsen gesenkt?
Klimaschutzmaßnahmen sind nicht geeignet, eine Senkung des Meeresspiegels herbeizuführen. Sie sollen und können aber dazu beitragen, seinen Anstieg zu begrenzen.
9. Wie viel CO2 wurde bei der Reise der niedersächsischen Delegation zur Klimakonferenz in Paris ausgestoßen?
Die niedersächsische Delegation ist mit der Deutschen Bahn und somit klimafreundlich gereist. Der CO2-Ausstoß lässt sich nur auf der Basis von Durchschnittswerten berechnen. Siehe dazu auch Antwort auf Frage 2.
10. Wäre es für das Klima besser gewesen, wenn die Landesregierung nicht nach Paris gereist wäre?
Mit Verweis auf den Beitrag des Ministers für Umwelt, Energie und Klimaschutz im Rahmen der Aktuellen Stunde des Landtags am 15.12.2016 zu den Konsequenzen der UN-Klimakonferenz für das Küsten-, Agrar- und Industrieland Niedersachsen: Nein.
Quellen
[1] finanzen.net: CO2 Emissionsrechte Chart in Euro
http://www.finanzen.net/rohstoffe/co2-emissionsrechte/Chart
[2] Umweltbundesamt: Bundesregierung reist klimaneutral
[3] Umweltbundesamt: Bundesregierung kompensiert alle Treibhausgasemissionen ihrer Dienstreisen
https://www.umweltbundesamt.de/presse/presseinformationen/bundesregierung-kompensiert-alle
[4] Niedersächsischer Landtag, Drucksache 17/4996: Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung mit Antwort der Landesregierung
[5] Fachinformation Dr. Hans Penner: FDP und Klimawandel Einstellung der FDP-Bundestagsabgeordneten zur Klimakatastrophen-Hypothese.
http://www.fachinfo.eu/klimawandel.htm
[6] Potsdamer neueste Nachrichten, 18.02.2014: Erderwärmung: Anpassen oder vermeiden? : Im Klimadilemma. Zwischen Anpassung und CO2-Vermeidung: Experten diskutieren in Potsdam Strategien für den Klimaschutz.
[7] EIKE 09.06.2016: An den Unwettern ist der Mensch eher nicht schuld – aber ganz sicher an deren Folgen Darstellung des Unwetters um Simbach Niederbayern
Sexualstrafrecht: Das Schlafzimmer als gefährlicher Ort
MIT shows ground penetrating radar for autonomous vehicles in snow and ice
Polizei nimmt 19-jährigen Wedeler nach Raubüberfällen fest
Isi’s Imbiss erregt die Gemüter
Mehr Sicherheit: Radar soll Orientierungsverlust autonomer Autos vermeiden
Mit Hilfe eines zusätzlichen Bodenradarsystems sollen Unfälle durch Orientierungsverlust autonomer Autos künftig vermieden werden. Das Radar kann die Position des Wagens bis auf vier Zentimeter genau bestimmen - komplett ohne erkennbare Fahrbahn- und Umgebungsmarkierungen. (Autonomes Fahren, Internet) Guter Vorschlag: Grüne fordern Überprüfung von BGR-Studie zur Klimawirkung der Sonne - ZDF Harald Lesch überprüft "wissenschaftlich" das AfD Programm
Aus die kalte Sonne:
Im Januar 2016 gab die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Entwarnung und erklärte Fracking für unbedenklich. Dies erzürnte die Anhänger der Erneuerbaren Energien so sehr, dass sie auf Rache sannen. Wie könnte man der BGR einen Denkzettel verpassen? Der Solar-Anhänger und WDR-Journalist Jürgen Döschner nutzte am 29. Juni 2016 seine Position, um auf Tagesschau.de gegen die BGR zu hetzen. Die Behörde hätte doch tatsächlich Industriegelder angenommen, um Klimawandelstudien kozufinanzieren, unerhört. Daher wären wohl alle Ergebnisse automatisch zu hinterfragen:
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ist einer der wichtigsten Beratungs- und Forschungsdienste der Bundesregierung. Doch wie unabhängig ist die BGR? Über eine Stiftung werden mit Geldern aus der Industrie “verdiente Mitarbeiter” belohnt.
Die Nachricht schlug damals ein wie eine Bombe: Nicht die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, nicht das üble CO2 ist hauptverantwortlich für den Klimawandel, sondern schlichter Wasserdampf und die Aktivitäten der Sonne. 1995 erschien eine Studie, die genau zu diesem Schluss kam.
Die Autoren: namhafte Wissenschaftler der ebenso namhaften Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Kurze Zeit später veröffentlichte die BGR auf der Basis dieser Studie das Buch “Klimafakten” – bis heute eine Art “Heilige Schrift” all jener, die den Klimawandel oder zumindest den Anteil des Menschen daran bezweifeln.
Was bislang nicht bekannt war: Die umstrittene BGR-Studie war seinerzeit von der Industrie bezahlt worden. Genauer gesagt von der “Hans-Joachim-Martini-Stiftung”, einer bis heute weitgehend unbekannten und im Verborgenen arbeitenden gemeinnützigen Stiftung. [...]
[...] die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl [...] sieht durch die Existenz und das jahrzehntelange Wirken der Hans-Joachim-Martini-Stiftung “die Unabhängigkeit und Seriosität der BGR kompromittiert”. Das Bundeswirtschaftsministerium weist diesen Verdacht zurück. Der niedersächsische Umweltminister Wenzel von den Grünen fordert angesichts der Recherchen von WDR, NDR und “Süddeutscher Zeitung”, die bisherigen Studien und Stellungnahmen der BGR noch einmal zu überprüfen.
Offensichtlich hat sich Döschner mit der Thematik selber noch nie beschäftigt, ansonsten wäre ihm schnell klargeworden, dass die BGR in ihrem Buch lediglich den Stand der Wissenschaft wiedergegeben hat. Ob es Döschner gefällt oder nicht: Eine Vielzahl von begutachteten Studien hat eindrucksvoll den großen Einfluss von solaren Aktivitätsschwankungen belegt. Es ist daher in keinster Weise angebracht, nun mit dem Finger auf die BGR zu zeigen. Vielmehr sollte lieber der IPCC erklären, wie er angesichts der erdrückenden Faktenlage einen vernachlässigbar geringen Strahlungsantrieb für die Sonne rechtfertigt.
Das klimatische BGR-Mobbing ist keineswegs neu. Wir hatten an dieser Stelle bereits über die seinerzeit von Aktivisten und Politikern eingefädelte Kampagne berichtet (siehe unseren Blogbeitrag “Pioniere des Klimarealismus: Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)“). Das Wiederaufflackern dieser Kampagne spricht im Prinzip vor allem gegen die Seriosität von Döschner. Unter anderem verschweigt er dabei wichtige Kontextinformationen. So erhielt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) 2014/15 mehr als eine halbe Million Dollar von einem Greenpeace-nahen politischen Thinktank. Folgt man der Döschner-Logik, wären damit sämtliche Aussagen des PIK zu hinterfragen.
Die Tagesschau muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Aktivisten eine öffentliche Bühne bietet. Ausgewogene Berichterstattung sieht anders aus. Vielleicht hat der ganze Vorfall aber letztendlich auch etwas Gutes. Man sollte den Vorschlag des niedersächsischen Umweltministers Wenzel aufgreifen und die BGR-Studie fachlich überprüfen. Man muss kein Hellseher sein, dass sich dabei die Aussagen der BGR zum Klimawandel bestätigen lassen werden. Das wäre ein schwerer Schlag gegen den grassierenden Klimaalarm in der Gesellschaft. Man darf gespannt sein, wie und ob sich dieser Fall weiterentwickelt.
Das Original finden Sie hier
Und hier Prof. Dr. Harald Lesch zum Klima- Programm der AfD
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Es darf gelacht werden. Ausführlicher Kommentar folgt.
Full Disk Encryption: Verschlüsselung von vielen Android-Geräten ist peinlich unsicher
Ein Sicherheitsforscher hat herausgefunden dass die Daten-Verschlüsselung auf Android-Smartphones mit Qualcomm-SoC extrem unsicher ist. Dem Forscher gelang es, die Hauptschlüssel zu extrahieren, so dass diese anschließend relativ leicht und schnell geknackt werden könnten. Apple-Geräte sind deutlich sicherer.
Erst im Frühjahr 2016 beschäftigte sich gefühlt die halbe Medienwelt mit dem Dilemma rund um das iPhone des Attentäters von San Bernardino: Ermittlungsbehörden wollten Zugriff auf die Daten im iPhone 5C des Täters erlangen. Apple bekundete, dass auch sie die Daten nicht entschlüsseln könnten und verweigerte die weitere Kooperation mit den Behörden. Am Ende schaffte es das FBI durch externe Dienstleister und gegen beträchtliche Bezahlung, die Daten zu entschlüsseln – ohne daraus gewinnbringende Erkenntnisse ziehen zu können. Allerdings wurde oft betont dass das verwendete iPhone 5C in Sachen Sicherheit auch nicht dem neusten Stand der Technik entspricht. Mit allen nachfolgenden Modellen hätten es die Behörden noch einmal deutlich schwerer gehabt, wenn es überhaupt möglich gewesen wäre ein solches Gerät zu entschlüsseln.
Android-Hauptschlüssel konnten via Software extrahiert werden
Hätte der Attentäter ein aktuelles Android-Smartphone mit einem SoC von Qualcomm verwendet (zum Beispiel die Google-Nexus-Geräte oder quasi alle aktuellen Smartphone-Flaggschiffe von Samsung, LG und Co.), dann wäre das Verfahren wohl deutlich schneller abgelaufen. Der Sicherheitsforscher Gal Beniamini hat nun ausführlich demonstriert und beschrieben, wie unsicher die „Full Disk Encryption“-Funktionalität, die seit Android-Version 5.0 Lollipop existiert, eigentlich ist. Dem Forscher ist es gelungen mittels zweier Android-Sicherheitslücken den Hauptschlüssel zu extrahieren, mit dem alle Daten im Speicher des Smartphones verschlüsselt wurden.
Mit extrahiertem Schlüssel ist die Gewinnung des Passworts nur eine Frage der Zeit
Die Extraktion des Schlüssels erlaubt zwar unmittelbar noch keinen Zugriff auf die Daten, aber senkt die Hürde für Angreifer deutlich: Der Schlüssel wird aus dem Passwort (und einer unveränderbaren Hardware-ID) generiert, mit dem Smartphone-Nutzer ihr Gerät schützen. Liegt der Schlüssel erst einmal außerhalb des Gerätes vor, kann mit spezialisierten Tools, Cloud-Diensten und Server-Farmen sehr schnell eine sogenannte Bruteforce-Attacke gestartet werden. Dabei werden hunderttausende Wörter pro Sekunde mit den gleichen Algorithmen verschlüsselt, bis irgendeiner der so entstandenen Schlüssel dem extrahierten Schlüssel gleicht. Das zugehörige Passwort entsperrt dann das Gerät. Da Smartphone-Passwörter in den seltensten Fällen sehr lang sind, dürfte das Zurückführen des Schlüssels auf das Passwort in den meisten Fällen innerhalb von wenigen Stunden erledigt sein. Der einzige Schutz gegen einen solchen Angriff bleibt momentan nur ein sehr langes Passwort (zum Beispiel mehr als 16 Zeichen). Das beliebte, frei verfügbare Tool zur Bruteforce-Entschlüsselung namens Hashcat arbeitet bereits an der Integration der entsprechenden Algorithmen, so dass bald jeder auf seinem eigenen Rechner einen solchen Angriff starten könnte. Solange hat der Entdecker aber auch eigene Tools zum Entschlüsseln bereitgestellt.
Peinlich unsicher: Schlüssel darf nicht in Software vorliegen
Abgesehen von den beiden Sicherheitslücken in Android, die Google inzwischen behoben hat, ist die Ursache dieser Angriffsmöglichkeit ein konzeptionelles Problem: Eigentlich dürfen solche wichtigen Schlüssel nicht in Software vorliegen. Das heißt, es sollte keine Möglichkeit geben, die Schlüssel irgendwie zu extrahieren. Stattdessen sollte der Schlüssel nur in Hardware auf einem Chip existieren. Das heißt, ein separater Baustein kümmert sich um die Verschlüsselung der Daten. Die CPU kommt nie in Kontakt mit dem Schlüssel. So machen es zum Beispiel Apple-Geräte. Selbst wenn dort eine Sicherheitslücke bekannt wird, lässt sich der Schlüssel nicht extrahieren. Angreifer müssen also das Gerät direkt nutzen um Passwörter auszuprobieren. Das geht aber nur in extrem langsamer Geschwindigkeit, da Apple die Zeit zwischen zwei Eingabeversuchen mit jedem Fehlversuch höher stellt. Ein Bruteforce-Angriff wird damit rein zeitlich unmöglich gemacht.
via arstechnica.com
Further MH370 Drift Analysis Casts Added Doubt on Current Search Area
Brock McEwen has released a new reverse-drift analysis of the MH370 debris that has been found in the western Indian Ocean. The executive summary is below.
Broadly speaking, Brock’s new paper supports the conclusion of his earlier work on the subject, and also parallels the findings of GEOMAR and Météo France, as I’ve written about earlier–namely, that reverse drift analysis suggests that the debris did not originate within the current search zone.
In conducting his analysis, Brock has erroneously included objects found in the Maldives which did not come from MH370, but my understanding is that the inclusion of this bad data did not materially change his results.
The Australian is reporting that “Despite finishing his term as the head of the ATSB without finding MH370, [Martin] Dolan said he remained hopeful the aircraft would be found” and believes the search should continue. The full story is behind a paywall but Amanda Rose has provided a screenshot here. Also of interest in the article is the assertion that, due to bad weather, the search might stretch on through October.
Meanwhile the New Straits Times says that “The ministerial tripartite meeting on the Malaysia Airlines Flight MH370 will be held on July 19, Transport Minister Datuk Seri Liow Tiong Lai said Friday… Liow reportedly said that the meeting would deliberate on the next course of action regarding the search for the aircraft, which went off radar on March 8, 2014, with 239 people on board while on its way from Kuala Lumpur to Beijing.” China, Malaysia and Australia have long said that the search will end after the current 120,000 sq km search area has been scanned, but some observers hold out hope that the rash of recent debris finds will encourage officials to press on.

Announcing Windows 10 Insider Preview Build 14379 for PC and Mobile
Hello my Windows Insiders!
This week we have been hosting a Continuum App Contest in Redmond and it’s been really cool to see the awesome apps our dev Insiders have created. I installed the finalists’ apps and love how useful they are to my day-to-day—on both PC AND Phone. You all should check them out, there are some that are quite—Insider-y 

You can get a Perfect Workout—anywhere! The graphics & animations on this app are simply wow and failure-proof.
You can keep track of what’s going on with world currencies (along with a TON of other functionality) with Calc Pro (coming soon to HoloLens as well!).
I have my personal blog on WordPress, so I really loved WP for Windows (which has gorgeous magazine style layouts and a read-out-loud feature!).
EZPodder is perfect for me to consume TED Radio & my other fave podcasts from anywhere (the presentation also came with a free Design for non-Designers lesson along with MVVN design patterns example, which was awesome for a nerd like me!).
And of course, what is life without a hilarious Meme Generator Suite (and there are a TON of templates especially for you, my creative Windows Insiders!).
We in Redmond are about to take off for the long weekend to celebrate the 4th of July weekend, BUT before then we wanted to give you what we’ve been working on. Today we are releasing Build 14379 for both PC and Mobile to Windows Insiders in the Fast ring with another batch of bug fixes based on feedback:
Improvements and fixes for PC
- We fixed an issue where the size of the Credential UI might not be big enough to display the contents on a PC with High DPI.
- We fixed an issue where Action Center might crash after dismissing a large number of notifications.
- We fixed an issue where Centennial app launches from Start or Cortana wouldn’t count towards those apps bubbling up in Start’s “Most used” list.
- We fixed an issue where no note would have keyboard focus after minimizing then reopening the Sticky Notes app.
Improvements and fixes for Mobile
- We fixed an issue that could result in a stray focus rectangle becoming visible in certain apps, such as Groove or Cortana, after bringing up the keyboard.
- We fixed an issue where the aspect ratio of images on live tile wasn’t preserved if they need to be shrunk, leading to them appearing stretched.
Known issues for PC
- Using Continuum from your phone on your PC via the Connect app will not work. This should be fixed in the next build.
Known issues for Mobile
- You can open PDFs in Microsoft Edge but won’t be able to use touch to interact with the PDF (such as scrolling, pan or zoom). When you try to use touch to interact with a PDF, it will constantly reload the PDF.
- We’ve heard you and we are investigating decreases in battery life on older devices such as the Lumia 830, 930, and 1520.
- We’re also investigating Wi-Fi disconnect issues – if you are experiencing an issue with your Wi-Fi disconnecting, please see this forum post and make sure to upvote Wi-Fi disconnecting issues in the Feedback Hub.
- REMINDER: We have changed the backup format for Windows 10 Mobile devices to reduce the size of the backup stored in OneDrive. As a result, if you do a backup on a device running the latest Windows 10 Mobile Insider Preview builds and move back to the released version of Windows 10 Mobile (Build 10586) and restore from your backup – your Start screen layout won’t restore and remain the default Start layout. Your previous backup also gets overwritten. If you need to go back to Build 10586 temporarily, once you are on Build 10586 you should disable backup so it doesn’t overwrite the good backup from Windows 10 Mobile Insider Preview builds.
Check out some of those sweet apps for Phone and PC, play with the build. have a fantastic weekend and as always, keep hustling,
Dona <3
Wissenschaftlicher Konsens 2016: Die Klimamodelle taugen nichts
Die Zeit der Debatten ist beendet. Jetzt muss dringend gehandelt werden … In Dantes Inferno erklärt der Schriftsteller die neun Bereiche der Hölle, jede Einzelne reserviert für verschiedene Sorten von Sündern. Die erste Hölle ist denen vorbehalten, die es nicht besser wussten, und die innerste Hölle ist reserviert für die Verräterischsten aller Sünder. Ich frage mich, wo Dante uns alle hinpacken würde, die wir uns gegen diese Erde versündigen im Namen ökonomischen Wachstums, indem wir Umweltschulden anhäufen mittels des Verbrennens fossiler Treibstoffe, deren Folgen unsere Kinder und Enkel ausbaden müssen. Handeln wir jetzt, um die nächsten Generationen vor einem Über-2°C-Inferno zu bewahren!“
Offenbar haben McNutts aktivistische Ermahnungen nicht diejenigen Wissenschaftler überzeugt, die in anderen Journalen Studien veröffentlichen, die zeigen, dass die wissenschaftliche Debatte über den Klimawandel alles andere als beendet ist.
Das Jahr ist noch nicht einmal zur Hälfte vergangen, und schon gibt es über 20 veröffentlichte begutachtete Studien, die bestätigen, dass die Klimamodelle sich auf jene stützen, die hinaus posaunen, dass die Debatte beendet ist. Die Studien zeigen, dass a) die Ergebnisse der Modelle nicht mit den Beobachtungen übereinstimmen, b) wichtige, das Klima beeinflussende Faktoren nicht berücksichtigt werden, c) sie keinerlei Vorhersage-Wert aufweisen, d) sie den „Stillstand“ des 21. Jahrhunderts nicht simulieren können, e) sie große Unsicherheiten und Verzerrungen enthalten, die ihre Zuverlässigkeit praktisch aufheben und f), dass sie auf Hypothesen beruhen, die längst widerlegt sind.
●Begrenzungen werden gebraucht, um die Entwicklung der Modelle zu steuern und Unsicherheiten bei Schätzungen des Strahlungsantriebs zu reduzieren. Unglücklicherweise sind die präindustriellen Beobachtungen, die zur Begrenzung der Sensitivitäten erforderlich sind, nicht verfügbar.
●Klimamodellläufe … zeigen keinerlei Vorhersage-Wert bei der Reproduktion langzeitlicher Änderungen der Temperatur und Niederschlagsmengen.
●Dieses Ergebnis zeigt, dass noch viel zu tun ist, bevor wir die hydroklimatische Variabilität genau modellieren können.
●Die Auffassung, dass die Atmosphäre der jungen Erde dicker war, hat sich als falsch erwiesen. … Die Ergebnisse widerlegen die allgemein akzeptierte Auffassung, dass die frühe Erde eine dickere Atmosphäre hatte, um das schwächere Sonnenlicht zu kompensieren.
●Da gibt es dieses Missverhältnis zwischen dem, was die Klimamodelle erzeugen und dem, was die Beobachtungen zeigen … Die Rate der Erwärmung verlangsamte sich gerade zu einem Zeitpunkt, an dem die Treibhausgas-Emissionen dramatisch stiegen.
●Klimamodelle jedoch weisen große Unsicherheiten auf bei der Repräsentation von Austrocknung und Wolkenprozessen im Bereich der tropischen Tropopause. Daher verbietet sich ihre Rückkopplung mit dem Klima an der Oberfläche, um eine genaue Projektion globaler und regionaler Klimaänderungen zu erhalten.
●Es zeigte sich, dass die wellenartigen Bewegungen der Atmosphäre mit einer Rate vonstatten gehen, die um eine Größenordnung höher ist als zuvor prophezeit worden war.
Vielleicht kann man den Wissenschaftlern, die den Mut haben, über die deutliche Unsicherheit und Unzuverlässigkeit, die in Klimamodellen inhärent sind – oder über die Falschheit der zuvor erstellten Hypothesen über das System Erde–Atmosphäre – ihr fehlendes Verständnis bzgl. „settled Science“ nachsehen. Wie Marcia McNutt erklärt, ist die Debatte schließlich beendet; die Klimamodelle zeigen genau dies; es ist jetzt die Zeit zu handeln.
Glücklicherweise sind diejenigen Wissenschaftler, die „es nicht besser wissen“, in der Lage, in die äußeren Bereiche der Hölle zu entkommen anstatt im innersten Bereich zu verbleiben – wo es offensichtlich viel, viel heißer ist. Dort können wir wohl jene finden, die immer noch nicht zustimmen, dass die Debatte beendet ist und dass Aktivismus jetzt Wissenschaft ist.
Offensichtlich gibt es stichhaltige und sehr substantielle Gründe, warum Viele skeptisch sind.
Übersicht über 21 Studien dieses Jahres 2016
Im Folgenden werden 21 Studien vorgestellt, die bislang in diesem Jahr 2016 (bis Mitte Juni) veröffentlicht worden sind und die nicht den Behauptungen folgen, dass die Modellierung des Klimas „settled Science“ ist oder dass die wissenschaftliche Debatte jetzt beendet ist.
Drei Zeitreihen der mittleren täglichen Sommer-Maximumtemperatur (Tmax JJA) wurden für drei innere Regionen von Alabama erstellt, und zwar von Stationen mit verschiedenen Aufzeichnungs-Zeiträumen und unbekannten Inhomogenitäten. Der Zeitrahmen sind die Jahre 1883 bis 2014. … Eine Variation der Parameter bei dem Verfahren der Erstellung erzeugte 333 Zeitreihen mit einem zentralen Trendwert auf der Grundlage der größten Stationengruppe von -0,07°C pro Dekade mit einem Best Estimate der Messungenauigkeit von -0,12°C bis -0,02°C pro Dekade. Dieses Best Estimate unterscheidet sich nur unwesentlich von einer ähnlichen regionalen Berechnung (0,01°C pro Dekade) aus den nClimDiv-Daten der NOAA mit Beginn im Jahre 1895. … Schließlich wurden noch 77 CMIP5- Klimamodellläufe für Alabama untersucht. Sie zeigen keinerlei Fähigkeit, die langfristigen Temperatur- und Niederschlagsänderungen seit 1895 zu reproduzieren“.
Es war behauptet worden, dass die Verlangsamung der Erwärmung zu Anfang dieses Jahrhunderts bzw. deren Stillstand, charakterisiert durch eine verringerte Rate der globalen Oberflächen-Erwärmung, übertrieben worden ist; dass dafür die wissenschaftliche Basis fehlt oder er von Beobachtungen nicht gestützt wird. Die hier präsentierten Beweise widersprechen diesen Behauptungen.
Es gibt da dieses Missverhältnis zwischen den Ergebnissen der Klimamodelle und dem, was die Beobachtungen zeigen“, sagt Leitautor John Fyfe, ein Klimamodellierer am Canadian Centre for Climate Modelling and Analysis in Victoria, British Columbia. „Das können wir nicht ignorieren“. Susan Solomon, Klimatologin am MIT in Cambridge sagt, dass Fyfes grundlegende Arbeit dabei hilft, die Trends des 21. Jahrhunderts in die richtige Perspektive zu stellen. Und sie zeigt eindeutig, dass sich die Erwärmungsrate zu einer Zeit verlangsamt hat, als die Treibhausgas-Emissionen dramatisch zunahmen“.
Die Autoren zeigen, das Modellschätzungen der Klimasensitivität stark beeinflusst werden können durch die Art und Weise, mit der die Kondensation von Cumulus-Wolken in Niederschlag konvertiert wird bei der Parametrisierung der Modell-Konvektion. Diese Prozesse werden in den Globalen Klimamodellen nur sehr vage berücksichtigt. Im Einzelnen können zwei allgemein angewendete Verfahren der Konvertierung der Kumulus-Kondensation zu Niederschlag z drastisch unterschiedlichen Werten der Klimasensitivität führen, wie hier abgeschätzt mittels eines Atmosphäre-Land-Modells durch gleichmäßig steigende Ozean-Wassertemperaturen und der Untersuchung der Reaktion bei der Energiebilanz an der Obergrenze der Atmosphäre. Der Effekt kann quantifiziert werden durch eine großflächige konvektive Luftentzugs-Effizienz [detrainment efficiency ?]. Diese misst die Fähigkeit der Kumulus-Konvektion, Kondensat pro Einheit Niederschlag zu erzeugen [?]. Die Modellunterschiede, dominiert von kurzwelligen Rückkopplungen stammen aus ausgedehnten Regimes, die von großräumiger Hebung bis zu Gebieten mit Absinken reichen. Angesichts der gegenwärtigen Unsicherheiten bei der Repräsentanz der konvektiven Niederschlags-Mikrophysik und der gegenwärtigen Unfähigkeit, klare Beobachtungs-Hindernisse zu finden, die eine Version des Modells der Autoren gegenüber den anderen Modellen favorisieren, müssen die Implikationen bei der Berechnung der Klimasensitivität berücksichtigt werden, wenn man die Unsicherheit in den Klimaprojektionen abschätzen will“.
Wir finden einen größeren Prozentsatz von Festlandsgebieten mit relativ nasseren Bedingungen vom 9. bis zum 11. sowie im 20. Jahrhundert, während trockenere Bedingungen verbreitet zwischen dem 12. und dem 19. Jahrhundert herrschten. Unsere Rekonstruktion zeigt, dass deutliche Sägezahn-Verläufe alternierender Feuchte-Regimes, die in den instrumentellen Daten im gesamten Mittelmeer, den westlichen USA und China zu finden sind, immer wieder während der vergangenen 12 Jahrhunderte aufgetreten waren. … Die Intensivierung der mittleren Hydroklima-Anomalien im 20. Jahrhundert in den Simulationen wird im Vergleich zu vorangegangenen Jahrhunderten durch unsere neue Multi-Proxy-Rekonstruktion nicht gestützt. Dieses Ergebnis zeigt, dass noch viel zu tun ist, bevor wir die Hydroklima-Variabilität genau modellieren können, und es betont die Wichtigkeit der Verwendung von paläoklimatischen Daten, um jüngste und prophezeite zukünftige Änderungen des Hydroklimas im Zusammenhang von Jahrtausenden zu erstellen.
Presseerklärung:
Einer neuen Studie zufolge gab es auf der Nordhemisphäre deutlich stärkere Variationen der Niederschlagsmenge während der letzten 12 Jahrhunderte als im 20.Jahrhundert. Forscher aus Schweden, Deutschland und der Schweiz haben nachgewiesen, dass Klimamodelle die Zunahme nasser und trockener Extreme überschätzt haben während der Erwärmung während des 20. Jahrhunderts.
Eine große Vielfalt von Prozessen ist involviert im Ablauf der Emissionen von Gasen und primären Partikeln bis zu Auswirkungen auf den Strahlungsantrieb von Wolken … Allerdings sind wir am meisten an dem Strahlungsantrieb seit der präindustriellen Ära interessiert. Weil aus dieser Ära nur wenige relevante Messungen vorliegen, wurde angenommen, dass Beziehungen aus der jüngeren Variabilität auf Änderungen seit der präindustriellen Zeit bis heute übertragbar seien. …
Angesichts der Diverstität von Relationen werden Begrenzungen [constraints] benötigt, um die Modellentwicklung zu steuern und die Unsicherheit in den Schätzungen des Strahlungsantriebs zu reduzieren. Unglücklicherweise sind die zur Begrenzung der Sensitivitäten erforderlichen präindustriellen Beobachtungen nicht verfügbar. … Ein Verfahren könnte Trends aus jüngerer Zeit in den Regionen heranziehen, in denen sich die Emissionen substantiell verändert haben während einer Zeit, aus der zuverlässige Meldungen vorliegen. Zum Beispiel haben Cherian et al. gemessene Trends der solaren Einstrahlung an europäischen Messpunkten herangezogen aus dem Zeitraum 1990 bis 2005, als SO2-Emissionen um das Dreifache abgenommen haben. Damit haben sie globale Schätzungen des Strahlungsantriebs von Aerosolen seit der präindustriellen Ära begrenzt. Obwohl eine solche Analyse hoch informativ ist, kann sie jedoch nicht Verzerrungen in den Modellen beseitigen, die den Trend der Einstrahlung [downward solar radiance] über Europa über- oder unterschätzen. Dies könnte den Fehlern in irgendeinem der Faktoren geschuldet sein, die Änderungen des Strahlungsantriebs von Wolken zeitigen können, ebenso wie die natürliche Variabilität der Wolkenbedeckung. Das Entfernen jener Verzerrungen ist notwendig, falls Klimamodelle für Simulationen zukünftiger Klimaänderungen herangezogen werden. Zusätzliche Daten, die jeden der Faktoren und Komponenten charakterisieren, werden gebraucht. Einige der erforderlichen Daten (L, re, aerosol optical depth) liegen seit 1990 vor, aber zuverlässige Schätzungen von Nd, τ und R liegen aus den Jahren vor 2001 nicht vor.
Die geringe Übereinstimmung zwischen den Modellen, die die Auswirkungen solarer Variationen auf SAT in vielen Gebieten simulieren, zeigt die unterschiedlichen dynamischen Reaktionen in diesen Modellen, möglicherweise in Verbindung mit einer ungenauen Parametrisierung der Prozesse, die mit dem solaren Antrieb verknüpft sind. Unsere Analyse zeigt, dass die interne Klimavariabilität eine bedeutendere Rolle spielt als externe Antriebe der kurzfristigen SAT-Variabilität und die Unsicherheiten, zu denen es kommen kann infolge von Auswirkungen interner Klimazustände ohne die El Nino-Southern Oscillsation. Sie unterstreicht die Notwendigkeit eines besseren Verständnisses der dynamischen Reaktion von SAT auf externe Antriebe.
Die Ozeane haben 41 Prozent allen anthropogen emittierten Kohlenstoffes aufgenommen. Die Magnitude und die großräumige Verteilung der ozeanischen Kohlenstoffsenke wurde während der letzten Jahrzehnte gut quantifiziert. Im Gegensatz dazu sind zeitweilige Änderungen der ozeanischen Kohlenstoffsenke weiterhin kaum verstanden. Es hat sich als schwierig erwiesen, zwischen den Trends eines Kohlenstoff-Flusses aus der Luft in das Meer zu unterscheiden – Trends infolge des anthropogenen Klimawandels bzw. der inneren Klima-Variabilität. Wir wenden hier ein Modellierungs-Verfahren an, dass diese Unterscheidung zulässt und welches enthüllt, wie sich die ozeanische Kohlenstoffsenke den Erwartungen zufolge verändern wird im Laufe dieses Jahrhunderts und in verschiedenen ozeanischen Regionen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass – geschuldet der großen inneren Klima-Variabilität – es unwahrscheinlich ist, dass Änderungen der Aufnahmerate anthropogenen Kohlenstoffes gegenwärtig in den meisten ozeanischen Gebieten gemessen werden kann, dass dies jedoch zwischen 2020 und 2050 in einigen Regionen möglich ist“.
Nicht reduzierbare Unsicherheiten in Kurzfrist-Klimaprojektionen
Abstract: Diese Ergebnisse zeigen, dass Klimaprojektionen mit viel mehr Ensemble-Mitgliedern durchgeführt werden müssen als derzeit, darunter eine Vielfalt ozeanischer Initial-Bedingungen, falls die Unsicherheit bei kurzfristigen regionalen Klimaprojektionen angemessen quantifiziert werden kann.
Zusammenfassung und Diskussion: Die Gegenwart derzeitiger Unsicherheit bzgl. initialer Bedingungen und nichtlinearer Vorgänge erzeugt bedeutende und nicht reduzierbare Unsicherheiten bei [der Simulation] zukünftiger regionaler Klimaänderungen. Für 20-Jahre-Trends zeigt sich kaum jemals ein Klimawandel-Signal in dem Rauschen der inneren Variabilität. Unsicherheiten in zukünftigen Trends von Temperatur und Niederschlagsmenge reduzieren sich in längerzeitlichen Trends, weil die Unsicherheit bzgl. initialer Bedingungen gleich bleibt“.
Unsere Spektralanalyse zeigt bedeutende Diskrepanzen zwischen der gemessenen und der prophezeiten dynamischen Topographie.
Eine Karte mit den Flüssen innerhalb des Erdmantels zeigt, dass sich die Oberfläche ,wie ein Jo-Jo' auf- und abwärts bewegt.
Forscher haben den ersten globalen Datensatz der Bewegung des Erdmantels erstellt, also der 3000 km dicken Schicht heißen Silikat-Gesteins zwischen der Erdkruste und dem Erdkern. Sie fanden heraus, diese Bewegung sehr viel anders aussah als von Geologen während der vergangenen 30 Jahre prognostiziert … Es zeigte sich, dass die wellenartigen Bewegungen des Erdmantels mit einer Rate vonstatten gehen, die um eine Größenordnung größer ist als zuvor prophezeit. Die Ergebnisse, vorgestellt in ,Nature Geoscience', haben Auswirkungen auf viele Disziplinen einschließlich der ozeanischen Zirkulation und Klimawandel in der Vergangenheit.
10. Som et al., 2016
Unsere Daten zeigen einen überraschend niedrigen atmosphärischen Druck von Patm = 0.23 ±0.23 (2σ) bar, und in Kombination mit früheren Studien ergeben sich ~0,5 bar als obere Grenze von late Archaean Patm. [Atmosphären-Druck zum Ende der Urzeit der Erde?]. Das Ergebnis impliziert, dass die dünne Atmosphäre reich war an zusätzlichen Treibhausgasen und dass Patm (atmosphärischer Druck an der Oberfläche) in geologischen Zeiträumen mit einem bislang unbekannten Ausmaß fluktuiert hat.
Die Atmosphäre der frühen Erde wog weniger als halb so viel wie die heutige Atmosphäre.
Der Gedanke, dass die junge Erde eine dickere Atmosphäre aufgewiesen hatte, stellt sich als falsch heraus. Neue Forschungen an der University of Washington untersuchten Luftbläschen, die in 2,7 Milliarden Jahre altem Felsgestein eingeschlossen waren. Es zeigte sich, dass die Luft zu jener Zeit höchstens einen halb so hohen Druck auf die Oberfläche wie die heutige Atmosphäre ausgeübt hatte. Die Ergebnisse invertieren die allgemein akzeptierte Hypothese, dass die frühe Erde eine dickere Atmosphäre hatte, um das schwächere Sonnenlicht zu kompensieren. Das Ergebnis hat auch Implikationen hinsichtlich der Frage, welche Gase sich damals in der Atmosphäre befunden hatten und wie Biologie und Klima auf dem frühen Planeten vonstatten gegangen waren. …
„Seit Langem haben die Menschen gedacht, dass der atmosphärische Druck seinerzeit höher gewesen sein könnte, weil die Sonne schwächer war“, sagte Leitautor Sanjoy Som. Er forschte im Rahmen seiner Promotion im Fachbereich Erde und Weltraum-Wissenschaften. „Unsere Ergebnisse sind das genaue Gegenteil dessen, was wir erwartet hatten“ …
„Wir müssen immer noch mit der Größenordnung hiervon zurecht kommen. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir alle möglichen Konsequenzen ausgelotet haben“. Unsere geologischen Beweise zeigen eindeutig flüssiges Wasser zu jener Zeit auf der Erde. Folglich muss die frühe Atmosphäre mehr Wärme einfangende Treibhausgase enthalten haben, also mehr Methan und Kohlendioxid und weniger Stickstoff“.
Paläoklimatische Untersuchungen haben gezeigt, dass großräumige Änderungen des Klimas, die von Energie- und Wasserbilanz regiert werden, konsistent Reaktionen aufweist bei Änderungen der Antriebe in verschiedenen Klimazuständen. Diese konsistenten Reaktionen werden von Klimamodellen reproduziert. Allerdings sind die hypermodernen Modelle nach wie vor nicht in der Lage, gemessene Änderungen des Klimas im regionalen Scale zuverlässig zu reproduzieren. Während paläoklimatische Analysen der hypermodernen Klimamodelle die dringende Notwendigkeit zeigt, die Modelle zu verbessern, muss auch noch viel Arbeit geleistet werden, um plaäoklimatische Rekonstruktionen zu verbessern und auszuweiten. Sowohl die numerischen als auch die Interpretations-Unsicherheiten müssen quantifiziert und reduziert werden.
Vergleiche der gemessenen Abkühlung im globalen Maßstab nach Vulkanausbrüchen in jüngerer Zeit mit den Simulationen der CMIP5-Klimamodelle zeigen, dass die Modelle die Magnitude der globalen Temperatur-Reaktion auf vulkanische Eruptionen überschätzen. Hier zeigen wir, dass die Überschätzung erklärt werden kann mit der Auswahl der Beispielfälle, fielen doch alle großen Eruptionen seit 1951 mit El Nino-Ereignissen zusammen. Diese führen zu einer Erwärmung im globalen Maßstab, die der durch die Vulkanausbrüche verursachten Abkühlung entgegen wirken. Bei Teil-Stichproben der CMIP5-Modelle gemäß der beobachteten ENSO-Phase während eines jeden Ausbruchs zeigt sich, dass die simulierte globale Temperatur-Reaktion auf vulkanische Antriebe mit den Beobachtungen konsistent ist. Vulkanausbrüche stellen eine besondere Herausforderung dar für die Verfahrensweise bei der Auffindung und Zuordnung, da deren Auswirkungen auf der Oberfläche kurzlebig sind und folglich von ENSO durcheinander gebracht werden können. Unsere Ergebnisse implizieren, dass Studien bzgl. Auffinden und Zuordnung sorgfältig Verzerrungen berücksichtigen muss, die sich durch die Auswahl der Stichproben infolge der internen Klimavariabilität ergeben.
Einführung: Schätzungen der Relativ-Beiträge durch anthropogene und natürliche Antriebe fließen bei unseren Versuchen ein, kurzlebige und Gleichgewichts-Klimasensitivität zu belegen [attempts to constrain transient and equilibrium climate sensitivity] (Collins et al. 2013). Derartige Versuche werden inhärent kompliziert durch die Tatsache, dass wir nur eine der vielen möglichen Klima-Trajektorien beobachten. Weil die interne Variabilität signifikant zu Trends im Zeitrahmen von Jahrzehnten beiträgt, zumindest zu einem bestimmten Anteil und in verschiedenen Regionen, kann eine aussagekräftige Zuordnung des Klimawandels zu einer Herausforderung werden und empfindlich reagieren auf die besondere Realisierung der Variabilität in den gemessenen Aufzeichnungen (Deser et al. 2012a).
Die Temperaturen in Asien und global werden sehr wahrscheinlich mit Treibhausgas-Emissionen steigen, aber Zukunftsprojektionen hinsichtlich der Niederschlagsmenge sind weit weniger sicher. Hier untersuchen wir die Verbindung zwischen Temperatur und Niederschlag in Asien im Zeitrahmen von Jahren bis Jahrhunderten unter Verwendung von instrumentellen Daten, paläoklimatischen Proxy-Daten am Ende des Holozän sowie Klimamodell-Simulationen. Es zeigt sich dass die Beziehung zwischen Temperatur und Niederschlag in den instrumentellen und den Proxy-Daten abhängig ist vom Zeitrahmen. Während im Zeitrahmen von Jahren bis Jahrzehnten negative Korrelationen dominieren und folglich kühle Sommer dazu tendieren, auch nasse Sommer zu sein, sind Niederschlag und Temperatur im größeren Zeitrahmen positiv korreliert: kühle Jahrhunderte tendieren dazu, im monsunalen Asien trockenere Jahrhunderte zu sein. Im Gegensatz dazu zeigen die analysierten CMIP5-Modellsimulationen eine negative Korrelation zwischen Niederschlag und Temperatur in jedwedem Zeitrahmen. Obwohl hinsichtlich der Interpretation von Proxydaten viele Unsicherheiten bestehen, gibt es eine Konsistenz zwischen ihnen und den instrumentellen Beweisen. Dies zusammen mit der Persistenz dieser Ergebnisse in allen Proxy-Datensätzen zeigt, dass die Modellsimulationen deutlich verzerrt sein könnten, wobei sie die kurzfristigen negativen Verbindungen zwischen regionaler Regenmenge und Temperatur überschätzen. Die langzeitliche positive Beziehung zwischen beiden fehlt völlig.
14. Hand, 2016
Die Modelle zeigen, dass der Klimawandel die AMOC schwächen sollte, da höhere arktische Temperaturen zusammen mit oben treibendem Süßwasser aus der schmelzenden Eiskappe Grönlands die Bildung von tief reichenden Strömungen behindert. Bislang jedoch zeigen begrenzte Messungen im Ozean, dass die AMOC weitaus unberechenbarer ist als die Modelle abzubilden in der Lage waren.
Eine genaue Abschätzung der Rolle der solaren Aktivität ist ein Schritt in Richtung einer ordentlichen Quantifizierung des natürlichen und es anthropogenen Klimawandels. Hierfür wurden extensiv Klimamodelle herangezogen, um den solaren Beitrag zur Klimavariabilität zu quantifizieren. Jedoch ist der Großteil der Studien zur Modellierung wegen des hohen Rechenaufwandes bislang ohne interaktive stratosphärische Photochemie durchgeführt worden: Die Auswirkungen dieser Vereinfachung auf die Reaktion des simulierten Klimasystems auf den solaren Antrieb ist nach wie vor zum größten Teil unbekannt. Hier quantifizieren wir diesen Einfluss, indem wir die Reaktion aus zwei Modell-Konfigurationen vergleichen, mit und ohne Ozon-Chemie. Mittels langer Integrationen erhalten wir zunächst sichere Reaktionen der Oberflächentemperatur und der Niederschlagsmenge auf eine idealisierte Zunahme der Strahlung. Dann zeigen wir, dass die Einbeziehung interaktiver stratosphärischer Chemie die Erwärmung an der Oberfläche signifikant reduziert (um etwa ein Drittel) und die damit einher gehende Auswirkung auf die Niederschlagsmenge. Dieses Verhalten ist verbunden mit photochemisch induzierten stratosphärischen Ozon-Änderungen sowie deren Modulation der Solarstrahlung an der Oberfläche. Unsere Ergebnisse zeigen, dass es zu einer deutlichen Überschätzung der Reaktion an der Oberfläche auf Änderungen der Solarstrahlung kommt, wenn man die stratosphärische Photochemie außen vor lässt. Dies hat Auswirkungen auf die Simulationen des Klimas während des vorigen Jahrtausends, bei denen die Modelle oftmals das stratosphärische Ozon nur in sehr vereinfachter Form berücksichtigten, was inkonsistent ist mit dem überlagerten solaren Antrieb.
16. Stier, 2016
Wechselwirkungen zwischen Aerosolen und Wolken werden als eine Schlüssel-Unsicherheit angesehen bzgl. unseres Verständnisses des Klimawandels (Boucher et al. 2013). Kenntnisse über die globale Fülle von Wolken-Kondensationskernen (CCN) sind fundamental, um die Stärke der anthropogenen Klima-Störung zu bestimmen. Direkte Messungen sind begrenzt und umfassen nur einen sehr kleinen Teil des Globus', so dass Fernerkundung durch Satelliten und Instrumente am Boden ausgiebig verwendet werden als Proxy für Wolken-Kondensationskerne (Nakajima et al., 2001; Andreae, 2009; Clarke and Kapustin, 2010; Boucher et al., 2013). Allerdings können die zugrunde liegenden Hypothesen nicht gründlich getestet werden mit der geringen Anzahl der verfügbaren Messungen. Daher gibt es keine zuverlässige Schätzung der Wolken-Kondensationskerne. Diese Studie überwindet diese Begrenzung mittels eines in sich widerspruchsfreien [self-consistent] globalen Modells (ECHAM-HAM) der Strahlungseigenschaften von Aerosolen und Kondensationskernen. Eine Analyse der Korrelation der simulierten Strahlungseigenschaften von Aerosolen und Kondensationskernen zeigt, dass allgemeine Hypothesen bzgl. deren Beziehungen in einem signifikanten Teil des Globus' verletzt werden: 71% der Erdoberfläche zeigt Korrelations-Koeffizienten zwischen CCN0,2% an der Wolkenuntergrenze und einer optischen Dichte der Aerosole (AOD) unter 0,5, d. h. die AOD-Variabilität erklärt nur 25% der CCN-Varianz. Dies hat bedeutende Implikationen für Studien der Wechselwirkungen zwischen Aerosolen und Wolken auf der Grundlage von Satellitenmessungen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass vertikal aufgelöste Fernerkundungs-Verfahren wie etwa hoch spektral aufgelöste Lidars großes Potential haben für die Überwachung der globalen Menge von Wolken-Kondensationskernen.
Die Erwärmung der Arktis Anfang des 20. Jahrhunderts (ETCAW) zwischen 1920 und 1940 ist ein außerordentliches Ereignis der Klimavariabilität im vorigen Jahrhundert. Die Erwärmungsrate erreichte erst vor kurzem wieder die Größe der damaligen Rate. Anders als die jüngste Erwärmung, die großenteils dem anthropogenen Strahlungsantrieb zugeordnet werden kann, war die Erwärmung während der ETCAW am stärksten in der mittleren Troposphäre. Sie wurde vermutlich ausgelöst durch einen außerordentlichen Fall von natürlicher Klimavariabilität. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch Diskussionen über ultimative Wirkungsweisen und Gründe für ETCAW. Hier verwenden wir hypermoderne globale Zirkulationsmodelle, Reanalysen und Rekonstruktions-Datensätze, um die interne atmosphärische Dynamik von ETCAW zu untersuchen. Wir untersuchen die Rolle des mitteltroposphärischen Wärmetransports im borealen Winter sowie die Zirkulation, welche die Energie für die großräumige Erwärmung liefern. Analysiert man sensible Wärmefluss-Komponenten und regionale Unterschiede zeigt sich, dass Klimamodelle nicht in der Lage sind, die Evolution von Wärmeflüssen zu reproduzieren, die man in der Reanalyse und den Rekonstruktions-Datensätzen gefunden hatte. Diese Datensätze zeigen eine Zunahme stationärer Eddy-Wärmeflüsse [?] und eine Abnahme des flüchtigen Eddy-Wärmeflusses während ETCAW. Außerdem zeigt die troposphärische Zirkulations-Analyse die wichtige Rolle sowohl des Atlantischen als auch des Pazifischen Sektors bei der Konvergenz von aus südlichen Breiten stammenden Luftmassen in der Arktis während des Erwärmungs-Ereignisses. Als Folge davon wird vermutet, dass die innere Dynamik der Atmosphäre eine wichtige Rolle bei der Bildung von ETCAW gespielt hat.
18. Kim et al., 2016
Zirruswolken in der tropischen Tropopause (TTL) und Wasserdampf, der in die Stratosphäre transportiert wird, haben bedeutende Auswirkungen auf den globalen Strahlungshaushalt und die Zirkulation. Klimamodelle jedoch weisen große Unsicherheiten auf bei der Repräsentanz von Dehydrierung und der Wolkenprozesse an der TTL. Folglich verhindert deren Rückkopplung mit dem Klima an der Oberfläche eine genaue Projektion der zukünftigen globalen und regionalen Klimaänderungen. Hier verwenden wir beispiellose Luftmessungen über dem Pazifik, um atmosphärische Wellen aufzufinden als starken Modulierer von Eiskristall-Wolken in der TTL. Es wird gezeigt, dass durch Wellen induzierte kalte und/oder abkühlende Bedingungen einen fast allgegenwärtigen Einfluss auf das Vorkommen von Zirruswolken in Höhen zwischen 14 und 18 km haben, außer unmittelbar nachdem die Luft konvektiv entfeuchtet worden ist. Wir zeigen außerdem, dass verschiedene vertikale Mächtigkeiten von Wolkenschichten mit verschiedenen vertikalen Mächtigkeiten von Wellen assoziiert sind. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, TTL-Wellen in den Modellen zu repräsentieren.
Es gibt immer noch große Unsicherheiten in den gegenwärtigen beobachteten und meteorologischen Reanalyse-Datensätzen. Daher ist eine genaue Quantifizierung des Einflusses der Variabilität der solaren Einstrahlung auf das Klimasystem weiterhin eine offene wissenschaftliche Frage.
20. Sterl, 2016
Die große Wärmekapazität der Ozeane im Vergleich zur Atmosphäre stellt ein Gedächtnis im Klimasystem zur Verfügung, welches das Potential für fachkundige [skilful] Klima-Prophezeiungen für einige Jahre im Voraus hat. Allerdings haben Experimente bisher lediglich eine begrenzte Vorhersagbarkeit ergeben, nachdem man das deterministische Antriebs-Signal berücksichtigt hatte, welches von zunehmenden Treibhausgas-Emissionen ausgeht. Eines der Probleme ist die Drift, zu der es kommt, wenn sich das Modell von den Initial-Bedingungen entfernt hin zu seinem eigenen Klima. Diese Drift ist oftmals größer als das vorherzusagende dekadische Signal. In dieser Studie beschreiben wir die Drift im Nordatlantik im Erde-Klima-Modell und stellen sie in Beziehung zum Fehlen dekadischer Vorhersagbarkeit in jener Region. Während diese Drift abhängig von der Auflösung sein kann und in höher aufgelösten Modellen verschwindet, identifizieren wir einen zweiten Grund für die geringe Vorhersagbarkeit. Eine Wärmegehalt-Anomalie unter der Oberfläche kann nur dann die Atmosphäre beeinflussen, falls tiefgreifende Konvektion diese an die Oberfläche bringt, aber das Auftreten von Konvektion ist zufällig und möglicherweise hauptsächlich unvorhersagbarem atmosphärischen Rauschen geschuldet.
Die Ozeane dominieren den planetarischen Wärmehaushalt, und sie brauchen Tausende von Jahren, um mit gestörten Oberflächen-Bedingungen ins Gleichgewicht zu kommen, und jene langen Zeiträume sind kaum verstanden. Hier analysieren wir die ozeanische Reaktion auf eine Bandbreite von Antriebs-Niveaus und Zeitrahmen in einem Klimamodell mittlerer Komplexität und in den CMIP5-Modellen. Wir zeigen, dass im Zeitrahmen von Jahrhunderten bis Jahrtausenden Regionen anomaler Wärmespeicherung und globale thermische Expansion nicht linear vom Antriebs-Level und der Oberflächen-Erwärmung abhängen. Als Konsequenz ist es problematisch, eine langzeitliche Wärmeaufnahme aus einer kurzzeitigen Wärmeaufnahme abzuleiten oder die Verteilung der Wärmeaufnahme zwischen den Szenarien. Diese Ergebnisse stellen auch einfache Methoden in Frage, den langzeitlichen Anstieg des Meeresspiegels abzuschätzen aus Oberflächen-Temperaturen und der Verwendung von Tiefsee-Proxys, um Temperaturänderungen an der Oberfläche während Klimaten der Vergangenheit zu repräsentieren.
Übersetzt von Chris Frey EIKE
Anmerkung des Übersetzers: De Übersetzung der einzelnen Studienauszüge war schwierig und inhaltlich teilweise unverständlich. Bitte korrigieren, falls Unstimmigkeiten enthalten sind.
Zum Sommerstart: Die vergebliche Suche nach der „Klimaerwärmung“ im Frühsommermonat Juni
Bild rechts: Wegen der Junikälte 2016 zeigten die jungen Triebe vieler Bäume und Büsche eine rötliche Färbung. Bei Kälte ziehen die Pflanzen ihr Blattgrün zurück und stellen die Fotosynthese ein. Vor allem in Süddeutschland war der Juni sehr kalt.
Beginnen wollen wir mit einem langen Zeitabschnitt unserer Junibetrachtungen
Grafik 1: In den letzten 120 Jahren hatte der Monat Juni zwei kühlere Phasen, um 1920 und um 1970 bis 1990. Die Temperatur-Höhepunkte des sinusartigen Temperaturverlaufes lagen vor 1900, um 1945 und kurz nach 2000. Auch wenn die polynomische Trendlinie Beginn und Ende stets verzerrt sowie Ausreißer überbetont, kann sie trotzdem sehr schön den Schwingungsverlauf des Monates Juni über den langen Betrachtungszeitraum herausstellen. Das Polynom zeigt: Es gibt keine kontinuierliche Erwärmung wie eine lineare Trendlinie dies mit y = 0,004 x zeigen würde.
Da die Daten des Deutschen Wetterdienstes nicht wärmeinselbereinigt sind, würde die lineare Trendlinie von WI-bereinigten Daten sogar eine leichte Tendenz zur Abkühlung über die 122 Jahre zeigen.
Schon aus Grafik 1 ist ersichtlich, dass Kohlendioxid auf diesen Temperaturverlauf keine Auswirkung haben kann. Denn seit 1959, dem Beginn der regelmäßigen Messungen auf dem Mouna Loa, steigen die CO2-Konzentrationen der Atmosphäre bis heute stetig an, während der Juni ab 1955 für die nächsten 25 Jahre zunächst kälter wurde. CO2-Anstieg bei gleichzeitig fallenden Temperaturen, dass ergibt keine Erwärmungs-Kausalität.
Grafik 2: Geschätzte Entwicklung der CO2- Konzentration und Juni- Temperaturentwicklung in Zentralengland seit 1930. Während die Kohlendioxid- Konzentration um fast 100 ppm (Teile CO2 pro Million Teile Luft) gestiegen ist, blieben die Juni- Temperaturen in Zentralengland fast unverändert (der geringe Rückgang ist nicht signifikant). Es fehlt seit fast neun Jahrzehnten jeglicher statistischer Zusammenhang zwischen der Entwicklung der CO2- Konzentration und der Lufttemperatur.
Für den Zeitraum ab 1930, zu Beginn des Temperaturhöhepunktes der Jahrhundertmitte, fehlt jeglicher Anstieg. Der Juni Wert 2016 hat sich entlang der Trendlinie seit 1930 eingeordnet.
Wir hatten dazu im Teil 1 die Deutschland- Juni- Werte mit denen des Britischen Wetterdienstes (UKMO, Metoffice) für Zentralengland als Referenz- Region verglichen. Es zeigten sich keine gravierenden Unterschiede. Die CO2-Konzentrationen sind rasant gestiegen, und das hatte keinerlei Einfluss auf die Temperaturen.
Grafik 3: Seit nunmehr 87 Jahren hat sich der Juni in Deutschland nicht mehr erwärmt, trotz ständig steigender CO2-Konzentration der Atmosphäre. (siehe kleines Diagramm) Wärmeinselbereinigt hätten wir sogar eine fallende Trendlinie. Das bedeutet, in der freien Natur Deutschlands wurde es somit kälter. Selbst in den Wärmeinseln Deutschlands, wo vorwiegend die deutschen Messstationen stehen, gab es keine Temperaturänderungen des Monates Juni seit etwa drei Generationen!
Wo ist die Kohlendioxid-Klimaerwärmung beim Juni?
Auch diesmal hat der Deutsche Wetterdienst in seiner Pressemitteilung vom 28.Juni wieder erwähnt, der Monat Juni sei zu warm gewesen. Der Grund dafür ist der völlig veraltete Vergleichszeitraum von 1961 bis 1990. Wie aus Grafik 1 ersichtlich, beinhaltet dieser Vergleichsabschnitt genau die Jahre der letzten Kaltphase. Aus einer Kaltphase heraus ergibt sich immer ein Temperaturanstieg.
Damit bleibt die Frage, wann wurde der letzte Temperaturhöhepunkt und damit der Wendepunkt zur neuen Abkühlung hin erreicht? Die Antwort ist diesmal einfach, denn Grafik 1 beantwortet bereits diese Frage. Im Jahre 2003 war mit 19,4°C der vom Deutschen Wetterdienst gemessene wärmste Juni in Deutschland, aber auch im Jahr davor und 2000 war der Juni sehr warm. Wegen dieser Wärmehöhepunkte verzerrt die polynomische Trendlinie bei Grafik 1 den tatsächlichen Verlauf ziemlich kräftig. Ganz so steil ist der Temperaturrückgang in der Gegenwart natürlich nicht, siehe nächste Grafik.
Nehmen wir als nächste Temperaturbetrachtung den Gegenwartszeitraum, also seit dem Jahr 2000 bis heute.
Grafik 4: Im neuen Jahrtausend, also seit 17 Jahren, zeigt der erste Sommermonat Juni einen noch nicht signifikanten Temperaturrückgang. Der Zeitraum ist bei der großen Streuung der Einzelwerte noch zu kurz, um eine eindeutige Aussage für eine noch dauerhafte Klimaabkühlung für die Zukunft zu machen. Aber: In den letzten 8 Jahren war der Juni kein beständiger Bademonat mehr. Dies gilt vor allem für den Juni 2016 in Süddeutschland, wo nur die letzten sieben Tage dem Anspruch „Sommer“ gerecht wurden.
Ergebnis: Wir haben gezeigt, dass der Temperaturverlauf des Monates Juni über die letzten 120 Jahre in sinusähnlichen Schwingungen verläuft, dafür kann Kohlendioxid nicht verantwortlich sein und:
Der Juni wird in der Gegenwart wieder kälter, trotz weltweit steigender CO2-Konzentrationen. Und auch der Juni 2016 hat die linear fallende Trendlinie bestätigt. Diese Tatsache widerspricht vollkommen der Glaubensirrlehre der steigenden CO2-Erwärmung. Mit aller Vorsicht könnte man die Prognose wagen, dass in 20 bis 25 Jahren der Monat Juni seinen nächsten Kältetiefpunkt erreicht haben wird, im Schnitt nochmals um ein halbes Grad tiefer als momentan.
Im Folgenden soll nun nach den Ursachen dieser Juni-Temperaturentwicklung gesucht werden.
Drei meteorologische Größen beeinflussen das Temperaturverhalten im Juni maßgeblich, die AMO (Atlantische Mehrzehnjährige Oszillation, eine Schwankung der Wassertemperaturen im zentralen Nordatlantik), die Sonnenscheindauer (eine längere Sonnenscheindauer wirkt erwärmend), und die Häufigkeitsverhältnisse der Großwetterlagen. In der nächsten Grafik erkennen wir zwar einen leichten Anstieg der AMO- Werte, aber einen deutlichen Rückgang der Sonnenscheindauer in Potsdam. Auch dort stiegen die Juni- Temperaturen seit 1930 nicht an: Weniger Sonnenstunden, aber gleich bleibende Temperaturen, dieser Widerspruch könnte auch mit dem stetig zunehmenden Wärmeinseleffekt bei den Stationen erklärt werden.
Grafik 5: Stagnierende Juni- Temperaturen in Potsdam (rot, Mitte) bei leicht steigenden AMO- Werten (grün) und zurückgehender Sonnenscheindauer.
Das „wellenartige“ Verhalten der Juni- Temperaturen in Deutschland (siehe auch Grafik 1) wird von der Rhythmik der AMO bestimmt (tendenziell höhere Juni- Werte in Phasen mit höheren AMO- Werten wie vor 1900, nach 1930 bis um 1960 und gegenwärtig):
Grafik 6: Tendenziell höhere Juni- Temperaturen in Deutschland (braun) in Phasen mit höheren Wassertemperaturen im zentralen Nordatlantik (grün).
Auch in Zentralengland zeigen sich diese Zusammenhänge. Hier stellvertretend für die Sonnenscheindauer, welche dort im Juni zurückging:
Grafik 7: In Zentralengland sanken die Junitemperaturen seit 1930 geringfügig. Auch die Sonnenscheindauer nahm dort etwas ab.
Leider wird in Großbritannien die Sonnenscheindauer nur für das ganze Königreich angegeben; wäre das nur für Zentralengland der Fall, sähe der Zusammenhang noch deutlicher aus. Daher schauen wir uns die Potsdam- Werte genauer an. Es zeigt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Sonnenscheindauer und Lufttemperaturen:
Grafik 8: Je höher die Sonnenscheindauer pro Junitag, desto wärmer ist es tendenziell, denn die hoch stehende Sommersonne heizt kräftig.
Die hoch stehende Sonne heizt kräftig ein, das ist besonders auffällig in den betonierten Wärmeinseln, wo dann schnelle große Temperatursprünge registriert werden.
Nun sind noch die Ursachen des leichten Rückgangs der Sonnenscheindauer im Juni zu klären. Die Bewölkung nahm leicht zu, weil auch Westwetterlagen, welche im Juni eher kühl und bewölkt ausfallen, etwas häufiger wurden:
Grafik 9: Leichte Zunahme der Bewölkungsmenge (Gesamtbedeckung in Achteln, blau) in Potsdam im Juni. Außerdem wurden die wolkenreichen Westwetterlagen (Mitte) etwas häufiger. Die Juni- Temperaturen blieben in Potsdam unverändert; die AMO wirkte (bislang) der Abkühlung durch mehr Bewölkung (weniger Sonnenschein) entgegen.
Fazit: Einen Zusammenhang zwischen Juni- Temperaturentwicklung und der steigenden CO2- Konzentration gibt es nicht. Die Juni- Werte stagnieren seit über 85 Jahren; seit Beginn des 21. Jahrhunderts deutet sich eher ein (noch nicht signifikanter) Rückgang an. Atlantik- Wassertemperaturen (AMO), Sonnenscheindauer und Bewölkung sowie die Häufigkeitsverhältnisse der Großwetterlagen beeinflussen hingegen die Juni- Temperaturentwicklung maßgeblich. Da in naher Zukunft ein Übergang zur AMO- Kaltphase zu erwarten ist, könnte eine Phase mit längerer Juni- Abkühlung begonnen haben, obwohl genaue Langfristprognosen natürlich nicht möglich sind.
Teil 1 dieses Beitrags gibt es hier.
Josef Kowatsch, Naturschützer und neutraler Klimawissenschaftler
Stefan Kämpfe, Diplom- Agrar- Ingenieur, unabhängiger Natur- und Klimaforscher
The Friendly Swede: Der Lehrer, der auf Amazon 8 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht
Die Geschichte von John Lundqvist, dem Schweden, der vom Lehrer zum Amazon-Umsatz-Millionär wurde, ist faszinierend – und gleichzeitig ein Lehrstück für das Thema Brandbuilding bei Amazon. Ein Artikel aus unserer Serie E-Commerce kreativ.
Der Lehrer setzte alles ein was er hatte, seine Ersparnisse, sein Gehalt, und er reizte jede Kreditkarte bis zum Limit aus, die er besaß. Sollte das nicht funktionieren, wäre er ruiniert. Alles, was ihm in die Finger kam, egal, welches Produkt es war, er versuchte es bei Amazon zu verkaufen. Es hätte übel ins Auge gehen können. Stattdessen besitzt der schwedische Lehrer John Lundqvist heute mit „The Friendly Swede“ einen sehr erfolgreichen Onlinehändler für Sport- und Outdoorartikel, der von CEO Anna Nordlander gerade über die Umsatz-Grenze von acht Millionen Euro geführt wurde – mit Eigenmarken, die ausschließlich bei Amazon erhältlich sind.
„The Friendly Swede“: Outdoor- und Sporthändler mit Eigenmarke
The Friendly Swede verkauft selbst entwickelte Sport- und Outdoorprodukte wie Survivalkits, kompakte Angelsets, Feueranzünder oder Fahrradlampen. Angeboten werden die Produkte ausschließlich auf sieben Amazon-Marktplätzen in Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und Japan.
Neben einer eigenen Website mit einem Produktbereich, der für den Kauf direkt zu Amazon umleitet, betreibt The Friendly Swede noch einen Facebook-, Twitter-, Youtube- und Pinterest-Account. Trotz des reichhaltigen Kanal-Angebots läuft knapp 80 Prozent des Presales-Kundenkontaktes über Amazon. Auf den eigenen Kanälen nutzen Kunden eher den Aftersales-Service wie Produktvideos und Tutorials oder Serviceinformationen.
The Friendly Swede: Vom Westentaschen-Händler zur Bestseller-Maschine
Lundqvist wäre jedem deutschen Rektor vermutlich höchst suspekt – die vielen Stationen seines Berufslebens würde das deutsche Bürokratengemüt nicht vertragen. Genauso wenig wird das deutsche Händlergemüt die Botschaft vertragen, die CEO Anna Nordlander und Lundqvist mit The Friendly Swede aussenden: Ein Händlerdasein im Ökosystem von Amazon ist erfolgreich möglich und erlaubt den Aufbau einer eigenen Marke.
Die ersten Gehversuche im Jahr 2011 mit beliebigen, über Großhändler eingekaufte Produkte, tauscht Lundqvist gleich im folgenden Jahr gegen den Versuch ein, mit The Friendly Swede eine Eigenmarke aufzubauen. Er reist daraufhin nach China und kauft in kleinen Mengen hauptsächlich Handyzubehör ein und verkauft es auf Amazon.com. Ihm wird schnell klar, dass nur eine eigene Marke und eine eigene Produktion es ihm ermöglichen würde, erfolgreich auf Amazon zu wachsen.
Was im Sommer 2013 schließlich dazu führt, dass der Gemischtwarenhandel langsam einem spezialisierten, selbst entwickelten Produktangebot mit Sport- und Outdoorartikeln weicht. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten: Zum Ende des Geschäftsjahres 2012/13 hat The Friendly Swede schon einen Umsatz von 3,5 Millionen Euro erreicht. Im letzten Geschäftsjahr, dem ersten Jahr unter CEO Nordlander, erreicht The Friendly Swede schließlich die Acht-Millionen-Euro-Marke. In Deutschland ist The Friendly Swede seit Sommer letzten Jahres aktiv, hat einen Umsatz von rund 600.000 Euro bis zum Jahresende erreicht und überschreitet bereits jetzt die Zahlen des Vorjahres.
CEO Anna Nordlander ist von Anfang an mit dabei. Zuerst nur als Beraterin nebenbei, dann widmet sie sich nach dem Studium für ein Jahr ganz The Friendly Swede. Gerade als sie die Firma verlassen hat, holt Lundqvist sie doch zurück und Nordlander hängt schließlich ihren ursprünglichen Traumberuf als Juristin für The Friendly Swede an den Nagel. Ihre Geschichte – und damit auch ein klein wenig die Geschichte von The Friendly Swede – erzählt sie in einem kurzen Videointerview mit Amazon.
Markenaufbau bei Amazon: The Friendly Swedes Erfolgsgeheimnis
„Wir haben keinen Laden und hatten auch nie einen – wir haben unser Geschäft einzig mit Amazon und „Versand durch Amazon“ aufgebaut und wir werden Amazon überall hin folgen, rund um den Globus“, beschreibt Nordlander ihre Strategie. Ob es Ihr bewusst sei, dass sie sich stark in Abhängigkeit begebe? „Das ist ein Thema bei nahezu jeder Vorstandssitzung mittlerweile“, antwortet Nordlander im Gespräch mit t3n. Man ist sich dessen bewusst und denkt darüber nach, auch andere Marktplätze zu nutzen, meint Nordlander. Sie weist aber darauf hin, dass sich immer Abhängigkeiten im Handelsgeschäft ergeben. Eine eher organisatorische Schwierigkeit sieht Nordlander in den Kernkompetenzen. So würde The Friendly Swede beispielsweise ein eigenes eBay-Team aufbauen müssen, damit die Amazon-Kompetenz des bisherigen Teams immer noch an der richtigen Stelle und mit voller Kraft eingesetzt werden könne.
Wie The Friendly Swede seine Marke bei Amazon aufbaut
Für Händler sind die Möglichkeiten eingeschränkt, die eigene Marke optisch bei Amazon zu präsentieren. Es gibt einheitliche Vorschriften für Produktfotos und Listing, den Kundenkontakt, den Versand – nahezu nirgendwo kann ein Händler eigene Werbemittel platzieren. Weder vor dem Kauf bei Amazon, noch während dem Kauf für ein Cross-Selling oder nach dem Kauf durch Mailings.
1. Sei die professionellste Marke bei Amazon und vergiss das Thema wiederkehrenden Kunden
Wie geht The Friendly Swede mit dieser Herausforderung um? CEO Nordlander erklärt das Brandbuilding bei Amazon: „Im ersten Schritte geht es mehr darum, deine Produkte zu präsentieren, lass deine Produkte die Geschichte erzählen, die du in deinem eigenen Onlineshop erzählen würdest". Das Ziel des Brandbuilding sei aber ein anderes, als bisher gewohnt: „Es geht mehr um den aktuellen Kunden auf Amazon, dass er denkt, du seiest die professionellste Marke auf Amazon – es geht weniger darum, sich auf wiederkehrende Kunden zu verlassen.“ Wie viel wiederkehrende Kunden der freundliche Schwede hat, verrät Nordlander auch: Grob geschätzt 12 bis 15 Prozent. Um Cross-Selling kümmert sich Nordlander eher nicht. Es sei zwar nicht unmöglich, mehrere Artikel auf einmal in den Warenkorb zu bekommen, aber es sei sehr schwer.
2. Das Kundenerlebnis ist die wichtigste Brandbuilding-Maßnahme
Das Kundenerlebnis beginnt für The Friendly Swede beim Produkt. Marktanalyse betreibt das schwedische Unternehmen bei existierenden Amazon-Angeboten und stellt so fest, was Kunden genau wollen. Welche Aufgabe oder Funktion soll ein Outdoor-Artikel erfüllen? Wo liegen die Schwächen und Nachteile bestehender Produkte, was bemängeln die Kunden in den Produktrezensionen?
Dann kontaktiert The Friendly Swede seinen kleinen Hersteller-Kreis und lässt die Hersteller nach eigenen Vorgaben Vorserienprodukte fertigen, die solange angepasst werden, bis das Produkt ein Konkurrenz-Produkt ausstechen kann. „Wir versuchen weniger, das Rad neu zu erfinden, als das Rad eben etwas besser oder schneller zu machen“, meint Nordlander.
Das namensgebende Alleinstellungsmerkmal ist der Anspruch, „den besten Kundenservice der Welt“ zu bieten und ein freundlicher Partner für den Kunden zu sein. The Friendly Swede kontaktiert jeden Kunden nach dem Kauf über das Amazon-Nachrichten-System. Beglückwünscht zum Kauf, fragt nach der Zufriedenheit mit dem Produkt und liefert Tipps und Tricks zur Anwendung. Jede Rezension, jede Frage eines Kunden wird gelesen, beantwortet – und vor allem: Ernst genommen. Immer in der Landessprache, von einem Support-Team aus dem jeweiligen Land.
3. Deine Verpackung und die Lieferung ist dein emotionaler Brandbuilding-Moment
Die Verpackung der Produkte bietet The Friendly Swede die einzige Möglichkeit, beim Kunden deutlich sichtbar zu werden, da die Schweden nicht selbst versenden, sondern über Amazon im Rahmen des Versand-durch-Amazon-Programms (FBA). Die Verpackung wird deshalb selbst designed und dann vom Hersteller des Produktes nach den Gestaltungsvorlagen umgesetzt.
Jeder Verpackung wird eine Kleinigkeit beigelegt, eine kleine Aufmerksamkeit. Eine kleine Notiz, irgendein persönliches, kleines Goodie für den Kunden. Die Taktik kommt gut an, beim Durchsehen der Produktrezensionen fallen immer wieder Kunden auf, die sich für die kleinen Goodies bedanken oder diese erwähnen.
The Friendly Swede und ihr „Amazon-Way-of-Life“
Lundqvist und Nordlander setzen also voll auf Amazon, sie akzeptieren die Einschränkungen und die Abhängigkeiten und haben für sich eine offensichtlich funktionierende Strategie erarbeitet, trotzdem erfolgreich eine eigene Marke aufzubauen. Die völlig überdurchschnittliche Anzahl der Produktrezensionen (wir sprechen hier mindestens von einer hohen dreistelligen oder gar vierstelligen Zahl mit nahezu rein positiven Äußerungen) zeigt, dass auf jeden Fall das positive Kundenerlebnis da ist.
Dass der Warenkorb sich auf einzelne Artikel beschränkt und anscheinend fast keine oder nur wenige Kunden kurzfristig wiederkommen, scheint das Wachstum nicht einzuschränken. Der Umsatz des Unternehmens hat sich innerhalb eines Jahres von 3,5 Millionen auf 8 Millionen Euro verdoppelt. Und ein Ende ist nicht in Sicht, vor allem wenn man bedenkt, dass The Friendly Swede bisher nur ein im niedrigen dreistelligen Bereich liegendes Produktsortiment führt.
Auch wenn die Strategie nicht für jeden Onlinehändler imitierbar sein wird, zeigt sie, dass unter bestimmten Voraussetzungen Brandbuilding und eine intelligente Teilhabe an Ökosystemen wie Amazon möglich ist.
In den folgenden Tagen und Wochen werden wir in unserer Reihe „E-Commerce kreativ“ weitere Händler vorstellen, die mit Eigenmarken in Ökosystemen groß geworden sind. Im nächsten t3n Magazin, das am 24. August erscheint, folgt dann der große Überblick über die erfolgreichen Strategien und das Fazit im Artikel „Brandbuilding in Ökosystemen“.
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Wie Büroarchitektur Innovation fördert: Pimp my Office!
Die Zukunftsfähigkeit von Technologiefirmen hängt zu großen Teilen von ihrem Innovationsgrad ab. Doch gute Ideen lassen sich nicht per Dekret produzieren. Stattdessen investieren Unternehmen zunehmend in Arbeitslandschaften, die offen, spielerisch, stimulierend und zugleich gemütlich sein sollen. Die neue Büroarchitektur soll den kreativsten Köpfen ein attraktives Habitat zum Ausbrüten neuer Einfälle bieten. Dabei werden die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit ebenso verwischt wie die zwischen der eigenen Belegschaft und externen Talenten.
Der Sound macht die Musik. Das wusste schon Jacques Tati, als er in seinem Film Play Time von 1967 die Geräuschkulisse und das Design modernistischer Großraumbüros in Szene setzte. Alles quietscht, rattert, piepst oder quasselt am Telefon, während der Protagonist immer wieder zwischen den gleichförmigen Cubicles verloren geht.
Die Legebatterien der alten Arbeitswelt sorgten auch in der Bürosatire Office Space von 1999 noch für viele Pointen, weil man die Kollegen zwar nicht sehen, aber dafür ständig telefonieren hören konnte. Inzwischen hat sich die Situation umgedreht: Im zeitgenössischen Großraumbüro herrscht Transparenz so weit das Auge reicht, und wer telefonieren will, muss in die Filzzelle. Die kleinkarierte Gleichförmigkeit ist großzügigen Arbeitslandschaften mit fließenden Übergängen und Flex-Desks gewichen.
So zum Beispiel bei Onefootball, einer Technologiefirma mit derzeit 60 Mitarbeitern, die ihre Büros seit 2014 in der „fabrik“ in Berlin Prenzlauer Berg hat. Auf mehreren Etagen arbeitet man hier an einer Fußball-App für 21 Millionen Nutzer und ist Marktführer in diesem Bereich.
Innenarchitektur mit Symbolcharakter
Schon am Empfang sinken die Füße in einen grünen Teppich im Stile von Laufbahnen auf dem Sportplatz. Die weichen Bahnen dämpfen die Akustik und ziehen den Besucher in die Tiefe des Raumes – vorbei an Umkleidekabinen, Meetingräumen mit Kunstrasen, einem Miniaturstadion mit Sitzkissen für firmeninternes Public Viewing sowie Duschen für die sportlichen Mitarbeiter. Die Bahnen enden in einer Elfmetersituation mit Fußball und Tor. Die Einladung zum Spiel ist allgegenwärtig, angesichts der filigranen Designerlampen an der Decke empfiehlt es sich jedoch nicht, hier hemmungslos drauflos zu bolzen.
Das monothematische, edle Interieur stammt vom Münchner Architekturbüro TKEZ. Es soll der internationalen Belegschaft eine möglichst attraktive Arbeitsumgebung bieten, neue Entwicklertalente anlocken und zugleich die Passion für das eigene Produkt nach außen kommunizieren. „Wir wollen, dass die Mitarbeiter möglichst kreativ und effektiv arbeiten können, und das klappt am besten, wenn man sich wohl fühlt“ so Jessica Gierlichs, Marketing-Managerin bei Onefootball. „Aber es gehört auch zur Unternehmensstrategie, dass wir allen Besuchern, Partnern und Investoren zeigen: Fußball ist unser Kern.“ Wenn der Erfolg eines Unternehmens von seinen künftigen Innovationen abhängt, und diese wiederum nur entstehen können, wenn man sowohl Geldgeber als auch Talente davon überzeugen kann, dass man es ernst meint und den Bogen raus hat, ist die kommunikative Komponente der Innenarchitektur kaum zu überschätzen. Im besten Fall wird sie zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Die spielerische Entgrenzung der Arbeit
Ebenso wichtig wie die Außenwirkung ist die konkrete Gestaltung der Zusammenarbeit. Bei Onefootball sind Arbeitsbereiche für die Designer und Programmierer zwar zoniert, aber offen und ineinander übergehend. Hier wie in anderen kreativen Großraumbüros möchte man für einen möglichst ungehinderten, informellen Informationsfluss zwischen den Abteilungen sorgen, denn Innovation passiert häufig an den Schnittstellen. Nichtsdestotrotz braucht es auch geschützte Räume. Die einzelnen Teams und das Management verfügen deshalb über aquariumartige Glaskuben, in welche man sich für Besprechungen zurückziehen kann. Zudem gibt es akustisch optimierte Filzschalen für spontane, informelle Besprechungen – die Architekten von TKEZ sprechen von „Soft-Work“-Arealen.
Dem Versuch, konventionelle Arbeitssituationen aufzuweichen, begegnet man hier wie in anderen Startups immer wieder. Bei Onefootball gibt es neben der verspielten Dekoration des Büros auch spezielle Freizeit-Bereiche. „Das Spielen ist ein wichtiges Gegengewicht zur Arbeit,“ erklärt Jessica Gierlichs, „am beliebtesten sind die Kickertische und die Xboxes, auf denen Fifa gespielt wird.“ In der Mittagspause oder abends gebe es regelmäßig Turniere. Die Ausweitung der spielerischen Arbeit in die Freizeit sieht man bei Onefootball unbedenklich. „So ganz schwarz-weiß wird das wirklich nicht gelebt hier. Wir haben auch keine festen Arbeitszeiten.“ Doch Gierlichs fährt fort: „Die meisten Kollegen regulieren sich mit der Spielzeit selbst. Wenn sie nachmittags 20 Minuten Fifa spielen, bleiben sie dafür abends länger oder kommen am nächsten Tag etwas früher.“
Diese Entwicklung ist generell durchaus ambivalent zu betrachten, denn während die Arbeit immer mehr wie Freizeit daher kommt, weitet sie sich zugleich auf die Freizeit aus – ohne dabei aufzuhören, Arbeit zu sein. Obwohl die Spielzeit dem Arbeitgeber nutzt, haben die Mitarbeiter offenbar das Gefühl, diese vermeintlich unproduktive Zeit nacharbeiten zu müssen.
Eine Retro-Kammer zum Out-of-the-box-Denken
Besonders stolz ist man bei Onefootball auf den „Living Room“, ein von den Mitarbeitern kleinteilig aus Vintage-Stücken zusammengetragenes Wohnzimmer aus Jugendtagen – eine Zeitkapsel, die deutsche Gemütlichkeit mit nostalgischen Fußballdevotionalien und vordigitaler Medientechnik vereint. Der Raum sei Reminiszenz an eine „romantische Zeit, als Fußball noch nicht so teuer war, als sich jeder leisten konnte, zu einem Spiel zu gehen. Es ist ein sehr persönlicher Ort“ so Jessica Gierlichs. Und tatsächlich hängen an den Wänden alte Kinderfotos von Mitarbeitern im Fußballoutfit.
Für ein Technologieunternehmen mag die Romantik im ersten Moment paradox wirken, doch die Retro-Kammer dient als Kulisse für Brainstorming-Meetings und soll das vielbeschworene „Out-of-the-box“-Denken befördern. Durch die künstlich erzeugte Aura des Raumes sollen neue Produktideen vom wahren Geist des Fußballfantums beseelt werden, von einer Zeit, als es noch nicht um Big Business, sondern allein um die großen Gefühle ging. Räume wie dieser sollen ungewöhnliche Ideen ermöglichen, auf die man in einem Glaskubus entweder nicht kommen würde, oder sich nicht trauen würde, sie auszusprechen. Doch so wild sich die Ideen hier auch gebaren mögen, am Ende müssen sie natürlich für die Fußball-App domestiziert werden. Die Gestaltung des Büros macht die äußeren Rahmenbedingen unmissverständlich klar.
Gedämpfte Akustik, gute Vibes
Einer der früheren Nachbarn von Onefootball, der Musikstreaming-Dienst SoundCloud, ist inzwischen weiter gezogen in die Factory, eine 16.000 Quadratmeter große ehemalige Brauerei neben der Gedenkstätte Berliner Mauer. Mit seinen 250 Mitarbeitern belegt SoundCloud etwa ein Viertel des Gebäudes.
Bei der Inneneinrichtung legte das Berliner Architekturbüro KINZO Wert darauf, den industriellen Charme des Gebäudes zu erhalten. Backsteinwände und Sichtbeton treffen auf freiliegende, ornamental eingesetzte Kabelstränge. Dazu sorgt viel helles Holz für rustikale Gemütlichkeit mit skandinavischem Einschlag. Ziel der Architekten war es, auf diese Weise einen fließenden Wechsel „zwischen Urbanität und Privatheit, öffentlichem Raum und Wohnzimmer“ zu erzeugen. Auch bei SoundCloud wird das Großraumbüro erst durch den geschickten Einsatz von Akustik-Elementen arbeitsfähig gemacht. Neben speziellen Paneelen, die – dem SoundCloud Logo nicht unähnlich – scheibchenweise von der Decke hängen, wurden wuchtige Hängeleuchten entworfen, die zugleich zur Schalldämpfung beitragen.
„Die besten Arbeiten unseres Lebens“
Doch nicht nur der Sound der Räume wurde bewusst gestaltet, sondern auch deren „Vibe“. Die Innenarchitektur entstand unter Bauleitung der Amerikanerin Kelly Robinson, die bei SoundCloud unter der Berufsbezeichnung „Vibe-Managerin“ firmiert. Robinson arbeitet am liebsten für große Startups, da diese einen Teil ihrer Investorengelder gerne in eine ganzheitliche Bürogestaltung reinvestieren, um so internationale Talente an sich zu binden.
Dass es inzwischen ein eigener Beruf ist, die kreativen Köpfe zu umsorgen, zeigt deutlich, wie wichtig das Betriebsklima für innovative Firmen geworden ist. Es gilt, einen Vibe zu erzeugen, der in genau der richtigen Frequenz zwischen heimeliger Entspannung und produktiver Konzentration oszilliert. Vor allem geht es darum, den Talenten ein zweites Zuhause zu bereiten, sodass sie so viel Zeit wie möglich am Arbeitsplatz verbringen wollen. Und so kümmert sich Robinson mit mütterlicher Sorgfalt um das leibliche und seelische Wohl der Mitarbeiter. Die einzige Küche des Startups, das Herz der Unternehmensfläche, dient laut Robinson als Kommunikationsknotenpunkt und sorgt trotz rapidem Wachstum für Nähe unter den Mitarbeitern.
Zudem gibt es ein Pflanzenzimmer, einen Gemüsegarten auf dem Dach, Yogakurse und einen Nap-Room für das kleine Nickerchen zwischendurch. Als Reaktion auf den harten Berliner Winter erschuf Robinson mit einem großzügigen Kaminzimmer den schönsten und gemütlichsten Raum bei SoundCloud. Ähnlich wie mit den spielerischen Elementen bei Onefootball geht es natürlich auch hier darum, möglichst viele Gelegenheiten für einen informellen Austausch zwischen den Mitarbeitern zu schaffen und so die Entstehung innovativer Ideen zu fördern. „In einem Raum, in dem es keine Angst gibt, in dem jeder frei seine Ideen äußern und verfolgen kann, entstehen die besten Arbeiten unseres Lebens,“ beschreibt Robinson ihre Vision.
Vordergründig ist natürlich nichts gegen die Gemütlichkeit auf der Arbeit einzuwenden. Doch angesichts der hohen Fluktuation in der Startup-Szene sollten die Mitarbeiter das Zuhause und den Freundeskreis außerhalb des Arbeitsplatzes nicht allzu leichtfertig aufgeben, sonst steht man schnell sehr alleine da.
Intellektuelle Infrastruktur und Luxushotel für Gründer
Obwohl Onefootball und Soundcloud häufig noch als Startups bezeichnet werden, haben beide Firmen bereits eine Größe erreicht, die sie weniger wendig werden lässt. Sie sind auf ein spezifisches Produkt festgelegt, und egal wie extravagant die Büroeinrichtung auch sein mag, die Möglichkeiten der Mitgestaltung für den einzelnen Angestellten sind zwangsläufig begrenzt. Wer es ernst meint mit der vielbeschworenen Disruption und die nötige Risikobereitschaft mitbringt, wird lieber selber Gründer, und auch diese Entwicklung spiegelt sich in der Innenarchitektur wieder. So versteht sich die Factory Berlin nicht bloß als Vermieter – stattdessen möchte man ein Spielplatz für die Begegnungen zwischen Old und New Economy sein. Und tatsächlich finden sich unter den Mietern nicht nur Soundcloud, Uber und Twitter sondern beispielsweise auch die Lufthansa.
Neben dem Spiel und der Gemütlichkeit zeichnet sich hier ein dritter deutlicher Trend ab: Unternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsstufen suchen die Nähe zueinander. Gründer wollen lernen, sich zu professionalisieren und sich in der Aura bereits erfolgreicher und bekannter Unternehmen sonnen. Träge gewordene Großunternehmen suchen die Nähe der kreativen Jungunternehmer, in der Hoffnung auf eine innovationsfördernde Frischzellenkur. Es braucht daher eine Infrastruktur, die nicht nur den Austausch zwischen Mitarbeitern, sondern zwischen ganzen Unternehmen fördert und sie zudem bei ihrem dynamischen Wachstum unterstützen kann. „Du kannst mit deiner Firmenidee im Coworking anfangen und wir können das bis zum Börsengang mit Büroflächen begleiten“ erklärt Lukas Kampfmann, Marketingchef der Factory.
„Wir sehen uns als Ökosystem“
In der Praxis stößt diese Flexibilität durch die vollständige Auslastung des Gebäudes jedoch mehr als schnell an ihre Grenzen. „Kleine Teambüros für vier bis 15 Leute – das ist der Markt, wo am meisten Musik drin ist,“ so Kampfmann, weil es sich ab dieser Größe schlecht weiter im Café oder von Zuhause aus arbeiten lasse. „Der große Trend ist die Konvergenz aus Lebens- und Arbeitsraum“, aber die Factory sei besser als das Homeoffice, da sie neben Annehmlichkeiten wie Nap-Room und repräsentativen Veranstaltungsräumen mit Kamin vor allem auch Kontakte zu anderen Kreativen böte.
Man versteht sich als Campus, als intellektuelle Infrastruktur, als repräsentatives Luxushotel für Unternehmen in Gründung – nur schnödes Bürogebäude möchte man auf keinen Fall sein. „Wir sehen uns nicht als Coworking-Space sondern als Ökosystem – wir wollen eine Art Club sein für Unternehmer.“ Wegen der hohen Nachfrage kann man es sich erlauben, die Anwärter nach Innovationsträchtigkeit zu kuratieren und versucht so, die Entstehung einer besonders kreativen Community zu steuern. Mehr als für vollausgestattete Büroflächen zahlen die großen und kleinen Mieter daher für den Zugang zueinander, für einen Arbeitsplatz möglichst dicht am Puls der Gründerszene.
Alle Wände sind verglast, alle Türen offen
Die letzte Station auf der Safari: Das Fab Lab Berlin, angesiedelt im neuen Open Innovation Space auf dem Gelände der ehemaligen Bötzow-Brauerei zwischen Mitte und Prenzlauer Berg (Fotos aus dem Fab Lab findet ihr in unserer Bildergalerie auf den Seiten 38 bis 44). Das Fab Lab ist eine offene Werkstatt, die Zugang zu Werkzeugen wie 3D-Druckern, Laser-Cuttern und CNC-Fräsen bietet und darüber hinaus Coworking-Plätze an Hardware-Hacker vermietet – es ist aber auch Kooperationspartner der Firma Otto Bock, Weltmarktführer in Sachen Prothesentechnik. Der Konzern entwickelt gerade das gesamte Brauereiareal zu einem neuen Innovationsstandort, und das Fab Lab hat man sich als Investition in die Zukunft auf das Gelände geholt.
„Wir sind bei Otto Bock als Firma teilangestellt“, so Wolf Jeschonnek, Geschäftsführer des Fab Lab. Mit ihren 18 Mitarbeitern ist die Werkstatt ein eigenes Unternehmen, mietet die Räumlichkeiten von Otto Bock, bekommt aber im Rahmen eines Kooperationsvertrags auch einen monatlichen Festbetrag ausgezahlt. Das einstöckige Gebäude, ein moderner, länglicher Bau mit viel Glas, wurde von Jeschonnek und seinen Kollegen zusammen mit dem Prothesenkonzern geplant. Um einen großen, offenen Gemeinschaftsraum herum sind die Maschinen und einige Büros in einer Folge von separaten Räumen angeordnet. Alle Wände im Fab Lab sind verglast, alle Türen offen.
Durch Öffnung entstehen Innovationen
„Bei Otto Bock hat man verstanden, dass Innovationen, die das Unternehmen voranbringen, nicht unbedingt in den eigenen Reihen entstehen oder aus der kleinen Nische der Prothetik kommen werden“, erklärt Wolf Jeschonnek. Deshalb öffnet man sich für Innovation von außen, sowohl auf der technologischen als auch auf der ästhetischen Ebene.
Die Zukunft der Prothese liegt in einer Mischung aus Ingenieurskunst und Modedesign, und in diesem Bereich spielen kreative Lead User eine große Rolle. „Die Idee ist, dass die Innovation quasi in Otto Bocks Vorgarten passiert. Dem Fab Lab kommt dabei eine moderierende Rolle zu, denn wir kennen die Bedürfnisse der Designer, Künstler und Nerds.“ Bei Wolf Jeschonnek laufen die Fäden aus beiden Richtungen zusammen, er fungiert als menschliche API zwischen Konzern und Kreativszene, er hat den Überblick und kann Tüftler zusammenbringen oder beispielsweise an Otto Bock empfehlen.
Laut Jeschonnek bleiben manche Kreative, die an Prothetik-Projekten arbeiten, zwar aus Angst vor Ideenklau auf Distanz zu Otto Bock. Doch diese Sorge sei unbegründet – der CTO der Firma zahle gerne hohe Lizenzgebühren für gute Ideen. Ziel sei es, gemeinsam mit den innovativen Entwicklern von außen Gewinne zu machen. Der Geschäftsführer des Fab Lab, selbst Produktdesigner, ist überzeugt: „Die Weiterentwicklung innovativer Konzepte kann nur durch den Austausch mit anderen Profis vorangetrieben werden.“ Im stillen Kämmerlein kommt man mit seinen Ideen irgendwann nicht mehr weiter.
Der Raum an den Rändern und die informelle Kommunikation
Diese Einsicht ist der große gemeinsame Nenner der hier vorgestellten Arbeitslandschaften. Das Fab Lab Berlin kommt zwar wunderbar ohne Spielecken, Wohnzimmeratmosphäre, Yogakurse und Kaminzimmer aus, doch auch hier ist man sich sicher, dass die Innovation an den Rändern und Schnittstellen in der informellen Kommunikation mit anderen entsteht. Hier wie dort ist die Aufgabe der Architektur, diese „zufälligen“ Begegnungen zu begünstigen.
Die Transparenz der Räumlichkeiten ist dabei extrem wichtig, doch es braucht auch Rückzugsbereiche für konzentriertes Arbeiten und fließende Übergänge zwischen den Zonen, sodass man durch die jeweilige Wahl des temporären Arbeitsplatzes den Kollegen signalisieren kann, wie offen man gerade für Austausch ist. Eine weitere wichtige Gemeinsamkeit bringt Wolf Jeschonnek auf den Punkt: „Die Coworker sind unser Kapital. Wären wir nur eine Prototyping-Werkstatt, in der kein Schwein sitzen würde, wären wir für Otto Bock nicht interessant.“
Egal ob Onefootball, Soundcloud, Factory oder Fab Lab: All diese auf Innovation ausgerichteten Arbeitslandschaften funktionieren wie Biotope. Architekten und Vibe-Manager wie Kelly Robinson schaffen Rahmenbedingungen, mit denen sie die hellsten Köpfe anzulocken hoffen, sodass auf organische Weise ein Ökosystem der Ideen entsteht. In den innovationsgetriebenen Branchen können sich die Kreativen also darauf einstellen, dass man ihnen die schönsten Nester bauen wird. Nur darf man darüber nicht vergessen, dass es trotzdem ein Leben außerhalb der Arbeit braucht – denn irgendwann ist auch mal Feierabend.
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Reisen: Namensänderung kann teuer werden
Ein Schreibfehler beim Namen oder auch ein Namenswechsel können bei Reisebuchungen teuer werden. Reiseveranstalter berechnen oft exorbitante Änderungsgebühren. Gegen besonders heftige Gebühren eines Hamburger Anbieters ging die Verbraucherzentrale Brandenburg vor. Sie mahnte die Firma erfolgreich ab.
Bis zu 100 % des Reisepreises wollte der Anbieter für eine Namensänderung in Reiseunterlagen, außerdem noch eine Bearbeitungsgebühr von 50 Euro. „Solche Entgelte sind schlicht unverschämt“, meint die Verbraucherzentrale. Nach ihrer Meinung kann nur ein angemessener Aufwand in Rechnung gestellt werden.
Das abgemahnte Unternehmen lenkte ein und unterschrieb eine Unterlassungserklärung. Die Verbraucherzentrale hält ähnliche Klauseln nicht nur wegen überzogener Gebühren für unwirksam. Oft spiele es noch nicht einmal eine Rolle, wer den Fehler gemacht habe. So eine Regelung dürfte den Kunden unangemessen benachteiligen. Mit der Folge, dass die Klausel insgesamt unwirksam ist.



